ÖBB-Chef Christian Kern hilft Flüchtlingen: "Es gab keine Alternative“

ÖBB-Chef Christian Kern hilft Flüchtlingen: "Es gab keine Alternative“

ÖBB-Chef Christian Kern spricht darüber, wie es den ÖBB gelang, die Beförderung für Tausende Geflüchtete zu organisieren, und wie er mit der neuen Zuneigung jetzt umgeht.

FORMAT: Wie schafft man es, dass in einem Unternehmen die Mitarbeiter in so einem Fall das Richtige tun und nicht auf Anweisungen warten?

Christian Kern: Wir sind ein Haus, das sehr hierarchisch organisiert ist. Das ist für manches nicht so hilfreich, aber sorgt für Klarheit, für eine Systematik, die in einem Großunternehmen mit 42.000 Mitarbeitern notwendig ist. Den Unterschied macht aus: Mache ich Dinge, weil ich sie machen muss, oder mache ich sie mit Enthusiasmus, mit Menschlichkeit? Es ist motivierend, bei etwas dabei sein zu können, das Sinn macht und Sinn ergibt.

Wie ist es gelungen, dass so schnell Hallen und passende Räumlichkeiten zur Verfügung stehen konnten?

Wir waren auf so eine Situation vorbereitet. Seit Monaten haben wir uns mit der Frage auseinandergesetzt, wo wir im Bedarfsfall Menschen unterbringen können. Das ist nicht von heute auf morgen vom Himmel gefallen.


Wir haben die Schleppermafia mindestens 50 Millionen Euro gekostet. Das war es allemal wert.

Gibt es eine Rechnung, welche Zusatzkosten durch das vergangene Wochenende entstanden sind?

Natürlich sind Kosten entstanden, das ist ganz klar. Aber was wir gemacht haben, war nicht nur menschlich, sondern auch pragmatisch sinnvoll. Denn diese Menschen wollten nach Österreich kommen. Wir können uns entscheiden: Versuchen wir, diese Wanderungsbewegung so geordnet wie möglich mit Anstand über die Bühne zu bringen, oder lassen wir die Leute mit ihrem Schicksal allein? Die Menschen kommen, ob es uns gefällt oder nicht, sie finden ihre Wege. Die Ereignisse haben gezeigt, dass der geordnete Weg sinnvoller ist. Wir haben die Schleppermafia mindestens 50 Millionen Euro gekostet. Das war es allemal wert.

Wie gehen Sie denn mit der Zuneigung um, die der Bahn jetzt entgegenschwappt - angefangen vom Held der Woche bis schon fast verliebten "Unsere ÖBB“-Lobpreisungen im Internet?

Das ist natürlich angenehmer als umgekehrt. Wir kennen aber auch das Gegenteil, daher werden wir sicher nicht übermütig. Vor allem weil es zu diesem Handeln im Grunde keine Alternative gab. Die Wertschätzung für die Mitarbeiter der ÖBB zeigt, dass wir mit dieser Einschätzung nicht alleine stehen. Das ist für uns alle sehr motivierend.

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