Obama gegen McCain: Das wäre ein amerikanisches Traumduell

Der Kandidat elektrisierte die amerikanische Öf­fent­lichkeit binnen weniger Wochen: Er atta­ckier­te hart das etablierte politische System, stilisierte sich zu dessen unverbrauchtem Erneuerer, wandte sich gegen den Kriegskurs von Bush, be­geisterte vor allem jugendliche Anhänger und formte mit einer neuen Art von Internet-Wahlkampf eine virtuelle Bewegung, welche online debattierte und Spenden in Millionenhöhe sammelte. Wochenlang dominierte er den Wahlkampf – ehe er nach einer ersten Enttäuschung ausrastete und sich mit einer trotzig-schreienden Tirade (heute noch auf YouTube ein Hit) selbst aus dem Rennen warf. Der Kandidat hieß Howard Dean, und er prägte die erste Phase des Präsidentschaftsrennens 2004 ähnlich wie Barack Obama die des Jahres 2008.
Damit enden aber schon die Parallelen zwischen den beiden Kandidaten, die von allen amerikanischen Medien zu frühen Stars im „Horse Race Journalism“ ernannt worden sind, jenes an die Sportberichterstattung erinnernde Wahlkampf-Genre, das sich weniger mit den Programmen der Kandidaten befasst als mit ihren Tränen und Triumphen, ihren Posen und Niederlagen. Obama leistete sich bisher keinen Ausrutscher, die Welle der Begeisterung scheint nachhaltiger zu sein als bei Dean, ihn unterstützen nun auch Sympathieträger wie die Kennedys, Robert De Niro oder George Clooney. Liberale Heroen also, welche eigentlich den Clintons nahestehen, dem charisma­tischen Bill aber mehr als der coolen Hillary.

Auch nach dem Super Tuesday, an dem mehr als die Hälfte der Wähler ihre Stimmen abgeben konnten, bleibt das demokratische Rennen offen: Hillary Clinton hat zwar Mehrheiten in den wichtigen Staaten Kalifornien und New York gewonnen, den dunkelhäutigen Senator aus Illinois aber nicht abhängen können. Dass Obama in den vergangenen Wochen für seinen Wahlkampf zusätzlich über hundert Millionen Dollar sammeln konnte und damit weit mehr als die ehemalige First Lady, ist ein weiteres Indiz dafür, dass das „Pferderennen“ bei den Demokraten womöglich gar erst bei deren Konvent Ende August in Denver entschieden wird. Dann wohl als Antwort auf die wirklich entscheidende Frage: Wer hat die besseren Chancen gegen John McCain? Eigentlich wäre ein demokratischer Sieg logisch: Die Unterstützung für den „Krieg gegen den Terror“ hat stark abgenommen, der amerikanischen Wirtschaft geht es schlecht, die Republikaner haben den Unmut der Bevölkerung schon bei den letzten Wahlen in den Senat und ins Repräsentantenhaus zu spüren bekommen: Die Demokraten haben in beiden Häusern eine Mehrheit.

Der republikanische Favorit McCain bewegt sich freilich in der (relativen) gesellschaftspolitischen „Mitte“, ist für mehr Waffenkontrolle, ein neues Zuwanderungsrecht, gegen die kli­mapolitischen Blockaden der Öllobby um Bush und Cheney und deren Steuerergeschenke an die Reichen. Um den funda­mentalistisch-recht(sradikal)en Rand der Republi­kaner, die ihm misstrauen, zu gewinnen, könnte er die Nummer drei im republikanischen Rennen, Mick Huckabee, als Kandidaten für die Vizepräsi­dentschaft nominieren. Außenpolitisch ist der ehe­malige Kriegsgefangene in Vietnam freilich selbst ein „Hardliner“: Er hat im Vorjahr mit einem ­Auftritt schockiert, bei dem er zur Melodie eines Beach-Boys-Hits „Bomb Iran“ textete. Gegen McCain dürfte Obama bessere Chancen haben als Clinton. Hillary polarisiert – programmatisch nicht nachzuvollziehen – die Wählerschaft stärker als der charismatische Newcomer, gegen sie ginge das gesamte konservative Lager zu den Urnen. Dafür hätte sie in wichtigen Südstaaten dank der vielen Hispanics (bei denen Bill hoch im Kurs stand) und des noch immer existierenden Rassismus bessere Karten als ihr Rivale.
Seriöse Prognosen über die Duellanten sind derzeit also kaum möglich. Völlig unmöglich ist daher auch eine Prognose über den letztlichen Wahlausgang. Nur dessen wahrscheinliche Inszenierungen scheinen klar: McCain gegen Hillary, das wäre der traditionelle Kampf des eher konservativen gegen das eher liberale Amerika, mit der „Frauenfrage“ als Zusatzwürze. Aber ein Wettstreit des 71-jährigen Kriegsveteranen gegen den 46-jährigen Sohn eines Afrikaners – das wäre zusätzlich ein Kampf der Generationen und der Kulturen: eines etablierten Systems gegen eine offene Gesellschaft.

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