Nowotnys Guantanamo

Nach der Kuba-Krise muss die Bawag alle Iran-Kredite verkaufen. Ein Geschäftspartner wird sogar der Terrorismusfinanzierung verdächtigt.

Nächsten Freitag werden Trillerpfeifen und Trommelschläge die Wiener Innenstadt in Aufruhr versetzen. Die linksgerichtete Kampfinitiative Campo Antiimperialista hat diese Woche offiziell zur großen Protestkundgebung vor der Bawag-Zentrale in der Seitzergasse aufgerufen. „Washington macht Österreich zum Schlachtfeld im Wirtschaftskrieg“, heißt es im schriftlichen Aufruf. „Die Bawag begibt sich auf Rasterfahndung nach kubanischen Staatsangehörigen. Privatpersonen werden schikaniert.“ Tatsächlich sickerte in der Vorwoche durch, dass die Bawag PSK allen aus Kuba stammenden Kunden ihr Konto kündigte. Rund hundert Personen sind davon betroffen. So geriet die vom Sozialdemokraten Karl Renner einst als Arbeiterbank gegründete Bawag PSK ins Visier der Linken.

Ausgelöst wurde die aktuelle Kuba-Krise ausgerechnet vom neuen Bawag-Eigentümer Cerberus. Als vertragliche Bedingung für den Bankkauf forderte der US-Private-Equity-Fonds, dass die Bank noch vor dem endgültigen Eigentumswechsel („Closing“) alle US-Gesetze erfüllen muss. Eine Forderung, die sich für Ewald Nowotny immer mehr zum persönlichen Guantanamo entwickelt: Neben harter Medienschelte erntete der Bawag-General zuletzt auch heftige Kritik von Politikern und Verfassungsrechtlern. Außerdem muss er sich für bislang unbeanstandete Geschäfte mit dem Iran rechtfertigen – der Grund: mögliche Terrorismusfinanzierung.

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