Notenbanken brauchen Verantwortung

„Neben dem Krisenmanagement sollte man bereits jetzt Lehren aus Fehlentwicklungen ziehen.“

Die derzeit sehr komplexe internationale Wirtschaftslage ist in grober Analyse durch drei Problemkreise bestimmt: eine Liquiditätskrise, ausgelöst durch übermäßige kurzfristige Finanzierung langfristiger Aktiva. Hier können Notenbanken gegensteuern und tun dies auch in bisher ungeahntem Ausmaß.
Zum Zweiten eine Vertrauenskrise, die sich vor allem in einer quantitativen und qualitativen Verschärfung der Kreditvergabe ausdrückt. Hier sind die Möglichkeiten der Notenbanken begrenzt und liegen primär im vertrauensbildenden psychologischen Bereich. Aber – wie der eher „Hayek-orientierte“ Nobelpreisträger Edmund Phelps in Anlehnung an einen berühmten Begriff von John Maynard Keynes kürzlich ausführte: „Animal spirits can’t be modelled“ – das Verhalten der Wirtschaftssubjekte ist daher auch nicht systematisch beinflussbar.
Dies gilt ebenso für den dritten Krisenbereich, die drohende realwissenschaftliche Krise durch Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Verbunden mit weiterhin steigenden Preisen für Rohstoffe und Nahrungsmittel, kann sich hier ein „Stagflations-Szenario“ entwickeln, die für Volkswirtschaften – und Notenbanken – fatale Kombination von Stagnation und Inflation.
Zwar kann eine solche Konstellation nie lange anhalten,
ist dafür aber umso schmerzhafter. Um eine solche Entwicklung zu verhindern, bedürfen die Notenbanken jedenfalls der aktiven Mitwirkung entscheidungsfähiger Regierungen und verantwortungsbewusster Akteure auf den Güter- und Arbeitsmärkten.

Wie stets in Krisensituationen gilt es freilich auch hier, kühlen Kopf zu bewahren, um Panikreaktionen zu vermeiden. Hier hat meines Erachtens die Europäische Zentralbank psychologisch besser agiert als die hyperaktive US-Notenbank – die freilich auch vor wesentlich größeren Problemen steht.
Neben dem Krisenmanagement sollte man aber bereits jetzt darangehen, Lehren aus vergangenen Fehlentwicklungen zu ziehen und entsprechende Reformen einzuleiten.

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