Neue Enthüllungen: Grassers letzter Abschlag

Der Finanzminister steht vor dem Aus: Immer neue Vorwürfe bringen ihn ins Zwielicht – und nun rückt auch der Kanzler von ihm ab.

Nein, dieses Mal verlief der Tag des Herrn so gar nicht nach dem Geschmack des Herrn Finanzminister: Bereits um zehn Uhr morgens fuhr Karl-Heinz Grasser in sein Büro in der Wiener Himmelpfortgasse, um sich dort mit seinem engsten Mitarbeiterstab zu treffen. Krisen-PR war angesagt – fünf Stunden lang. Immer wieder telefonierte Grasser an diesem Tag mit seinen neuen Parteifreunden aus der ÖVP, um fernmündlich verbale Unterstützungsgesten einzufordern.

Doch er bekam sie nicht – weder bei einem Telefonat mit ÖVP-Klubchef Wilhelm Molterer, das, wie Zuhörer berichten, mit deutlich erhöhter Zimmerlautstärke geführt wurde. Und auch ein Telefonat mit dem Bundeskanzler verlief offenbar nicht so, wie Grasser sich das vorgestellt hatte: Kein ranghoher ÖVP-Politiker wollte sich am Sonntag der Öffentlichkeit stellen und Grasser wegen seines nicht gemeldeten Aktiendepots in Schutz nehmen.

Am Nachmittag wurde im Grasser-Umfeld bereits laut über einen Rücktritt des Finanzministers nachgedacht: „Wir gewinnen denen die Wahl, und jetzt lassen sie uns im Regen stehen.“

Anfang der Woche sollte sich Grassers Kontakt mit der ÖVP noch intensivieren – weitere Telefonate und ein Mittagessen mit dem Kanzler folgten. Doch eines blieb und bleibt bestehen: Der Unmut über den offiziell parteifreien Finanzminister wächst beinahe täglich – die letzten Tage des KHG im Finanzministerium sind angebrochen.

Denn nach Grassers jüngstem Fehltritt – der aus seinem Büro lancierten Auflistung seines Aktienbesitzes – mehrt sich die Kritik. Nicht nur von der Opposition, die am kommenden Dienstag einen Misstrauensantrag stellen wird, sondern auch von der FPÖ und aus der ÖVP.

Die Kärntner FPÖ-Nationalratsabgeordneten rund um Uwe Scheuch überlegen, einem Untersuchungsausschuss zur Affäre Grasser zuzustimmen. Der stellvertretende Wiener FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache fordert sogar unverblümt KHGs Rücktritt: „Grasser ist massiv beschädigt und sollte durch einen freiheitlichen Minister ersetzt werden.“

Und sogar in den ÖVP-geführten Ministerien wird am Kärntner kein gutes Haar mehr gelassen: Grasser würde von einem Fettnäpfchen ins nächste stapfen, heißt es, er wäre nicht mehr Herr der Lage und sollte, wie ein ranghoher ÖVP-Mitarbeiter sagt, „bald seinen Hut nehmen“.

Denn Tatsache ist: Mit dem freiwilligen Outing seines Aktiendepots und dem Hinweis, bis zum Dezember 2000 auch Aktien der mittlerweile in Konkurs gegangenen New Economy-Firma YLine besessen zu haben, hat sich Grasser keinen Gefallen getan. Die Aktien, die Grasser zurzeit besitzt, gelten für Experten als riskant: Legen Papiere wie Blackhawk Mining (240.000 Stück) oder Pharma-Titel wie YM Bioscience (6.000 Stück), die großen Schwankungen unterliegen, tatsächlich kräftig zu, sind zweistellige Renditen drin.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Schüssels schlampiger Aktienbesitz
PLUS: Affäre I: Die dubiose YLine-Connection
PLUS: Affäre II: Grassers Vortragshonorare
PLUS: Affäre III: Der dubiose New-Economy-Verein

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