Neue Bosse für Österreichs Geld

Neuordnung in der Nationalbank. Ewald Nowotny wird neuer Gouverneur, und Claus Raidl soll den Generalrat präsidieren. Um die restlichen Topjobs wird hinter den Kulissen intensiv lobbyiert.

Aller guten Dinge sind drei: Zweimal scheiterte Ewald Nowotny bei seinem Versuch, ins Direktorium der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zu wechseln. Beide Male wurde der Ex-SP-Wirtschaftssprecher auf der Vorschlagsliste des OeNB-Generalrats an erster Stelle gereiht. Beide Male ging er leer aus. Nun wagt der 65-jährige Universitätsprofessor einen letzten Anlauf. „Nationalbank-Gouverneur zu sein ist eine reizvolle Aufgabe“, sagt Nowotny. Darum habe er sich be­worben. Mehr wolle er nicht sagen, weil der Auswahlprozess noch nicht abgeschlossen sei. Aus Nowotny spricht die Erfahrung früherer Enttäuschungen. Dabei ist vorsichtige Zurückhaltung nun nicht mehr angebracht. Denn laut FORMAT-Informationen sind sich Generalrat und Regierung längst einig: Nowotny wird Klaus Liebscher als Gouverneur folgen und Österreichs neuer Vertreter in der Europäischen Zentralbank.

Eingeleitet wird die Entscheidung am kommenden Dienstag: OeNB-Präsident Herbert Schimetschek wird im Anschluss an das routinemäßige Treffen des 16-köpfigen Kontrollgremiums zu einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung einladen. Dort wird er die Favoriten für das neue Direktorium präsentieren – ganz oben auf der Liste: Ewald Nowotny. Die vom Generalrat be­schlossene Shortlist wird noch am Mittwoch an die Bundesregierung weitergeleitet. „Ich würde mir wünschen, dass die Entscheidung noch im Mai fällt“, sagt Schime­tschek. Kanzler Alfred Gusenbauer sieht das genauso. Er will die neuen Bosse für Österreichs Geld bis zur Generalversammlung am 27. Mai nominieren.

Dann wird auch der neue Generalratspräsident be­schlossen, der laut politischer Farbenlehre ein „Schwar­zer“ sein wird: Als künftiger Gegenpol zum „roten“ Nowotny steht Claus Raidl fest. Der Böhler-Uddeholm-Chef, wirtschaftspolitischer Berater der ÖVP: „Das traue ich mir zu.“
Die Einigkeit bei der Verteilung der Spitzenpositionen in der Nationalbank darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht alle Jobs bereits fix vergeben sind. Zwar werden die Direktorenverträge von Peter Zöllner (SP) und Wolfgang Duchatczek (VP) verlängert, doch hinter den Kulissen wird bis zur letzten Minute um Managementposten und frei werdende Generalratsmandate heftig gestritten.

VP sucht nach Ittner-Alternative. Ein sicheres Ticket für den Einzug in das vierköpfige Direktorium hatte bislang der OeNB-Hauptabteilungsleiter Finanzmarkt und Banken Andreas Ittner, nämlich als Ersatz für Josef Christl. Mittlerweile ist die Bestellung Ittners in der ÖVP nicht mehr unumstritten. Obwohl er als Ex-Kanzleichef von Nationalbank-Präsidentin Maria Schaumayr über gute Parteikontakte verfügt, suchen die Strategen in der Lichtenfelsgasse nach Alternativen. Die Weitergabe von Informationen über die Bawag-OeNB-Prüfung hatte ­Ittner stets verweigert, was seine damals im Wahlkampf agierenden Parteifreunde verärgert hat. Auch die schleppend ab­laufende Neuorganisation der Bankenaufsicht, die seit Jahresbeginn zur Gänze in der OeNB konzentriert ist, wird ihm zum Vorwurf gemacht.
Bei den Sozialdemokraten hatte Ittner niemals Freunde. Vor allem die im Wahlkampf über die Großkredit-Evidenz der Nationalbank durchgeführte Abfrage von SP-Krediten bei der Bawag wird ihm vorgehalten.

Der Vorwurf: Als Chef der Bankenaufsicht in der OeNB verantworte er auch die Kreditabfragen. Auch wenn er sie nicht angeordnet hatte, wäre er moralisch dazu verpflichtet gewesen, die Weitergabe zu verhindern. Außerdem hat ­Ittner laut „Standard“ nicht genehmen Mitarbeitern willkürlich Bonifikationen gestrichen, was bei der roten OeNB-Betriebsratschefin Martina Gerharter für Empörung sorgte: „Wir erlauben uns, Herrn Ittner daran zu erinnern, dass die Fähigkeit zur Führung und Motivation an zweiter Stelle der Anforderungen in der Ausschreibung für die Bewerbung in das OeNB-Direktorium genannt wird.“

Eine mögliche Alternative zu Ittner dürfte bereits gefunden worden sein: ­Nämlich der 54-jährige Rudolf Trink. Das OeNB-Urgestein ist in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Seit 1978 arbeitet er in der Nationalbank und machte dort Karriere. Der dreifache Familienvater ist Parteigänger der Volkspartei und daher für Ittner ein ernsthafter Gegner. „Herr Trink ist Hauptabteilungsleiter Treasury“, sagt OeNB-Präsident Schimetschek. „Er macht seine Arbeit hervorragend.“ Außerdem auf der Schimetschek-Bewerberliste: Christl, Duchatczek, Ittner, Nowotny und Zöllner sowie die OeNB-Manager Peter Mooslechner (Hauptabteilung Volkswirtschaft) und Franz Richter (Kreditabteilung).

Roter Zwist um Generalratsposten. Doch nicht nur in der ÖVP wird um Nationalbank-Posten gerungen. Um die frei werdende Funktion des Generalrats-Vize streiten sich AK-Wien-Direktor Werner Muhm und Ex-PSK-Chef Max Kothbauer. Die Nationalbank gilt als wirtschafts- und finanzpolitischer Machtfaktor. Mit Nowotny, der die volkswirtschaftliche Abteilung – die größte Österreichs – leiten wird, hat Kanzler Gusenbauer einen starken Mitstreiter für Themen wie Inflationsbekämpfung. Muhm wäre ein weiterer wortgewaltiger Unterstützer, der seine Funktion auch politisch nutzen würde. Kothbauer wird von Bankern unterstützt, weil er einer von ihnen ist und im Vergleich zum Konsumentenschützer Muhm kein natürlicher Gegner.

Neben den zwei Präsidiumssitzen werden heuer drei weitere Generalratsmandate frei (siehe Kasten links). Die Nationalbank gehört zu 70,26 Prozent der Republik. Den Rest halten RZB (8,73 Prozent), Wirtschaftskammer (8,33), B&C-Stiftung der Bank Austria (4,27), Uniqa (2,67) Industriellenvereinigung (2,00) und diverse Kleinaktionäre (3,74). Als mögliche Anwärter werden Bank-Austria-Boss und B&C-Stiftungschef Erich Hampel, Siemens-Chefin Brigitte Ederer und Infi­neon-Vorstand Monika Kircher-Kohl ge­nannt. Der ÖGB schickt GPA-Geschäftsführerin Dwora Stein ins Rennen. Ob Raidl, Muhm oder Stein – wer das Rennen macht, wird noch im Mai beschlossen werden.

Von Ashwien Sankholkar

Astrid Kleinhanns-Rollé, Managing Director der WU Executive Academy

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