Netzwerke des Erfolgs

Netzwerke sind die Infrastruktur des Erfolgs. Nun kann man sie auf Plänen nachvollziehen: Das Forschungsinstitut FAS untersuchte die Beziehungsgeflechte der Mächtigen in Österreichs Wirtschaft und Gesellschaft.

Christian Konrad ist ein „Hub“. Das spricht man englisch aus, und es ist etwas absolut Positives: nämlich ein Mensch mit weit verzweigten persönlichen Beziehungen. Wenn der Raiffeisen-Boss ruft, kommen sie alle: Bei seiner alljährlichen Pilgerwanderung nach Mariazell reißen sich Bundeskanzler, Minister und Wirtschaftsbosse um die – beschränkten – Plätze. ORF-Generaldirektorin Monika Lindner trifft er regelmäßig bei der Jagd. Und die persönlichen Beziehungen seiner Führungskräfte reichen in die unterschiedlichsten Bereiche: Erwin Hameseder, bei Raiffeisen für Beteiligungen zuständig, ist Milizoffizier und sorgt für gute Kontakte ins Bundesheer. Peter Püspök, Chef der Raiffeisen-Landesbank Niederösterreich-Wien, sitzt im Aufsichtsrat des Kunsthistorischen Museums. Und mit sozialen Aktionen, wie jüngst der Unterbringung von 150 Flüchtlingen, kommt Konrad nicht nur dem christlichen Auftrag der Nächstenliebe nach, sondern knüpft auch Verbindungen zu Caritas und Flüchtlingsorganisationen. „Wir bauen ganz bewusst auf Netzwerke, natürlich auch außerhalb der eigenen Organisation“, sagt Konrad.

Kein Wunder also, dass Raiffeisen auch wissenschaftlich gesehen beim Networking ganz vorn liegt und vier Plätze in den Top Ten der bestvernetzten Manager Österreichs besetzt. An erster Stelle dieser Liste steht gleich Walter Rothensteiner, Generaldirektor der RZB. Die Liste hat ein Computer des Wiener Forschungsinstituts FAS.research errechnet. Sozialwissenschaftler Harald Katzmair – Experte für soziale Netzwerkanalyse – hat ihn mit den Daten der 20.000 Topmanager aus den 2.500 größten Unternehmen Österreichs gefüttert. Die sitzen wechselseitig in verschiedensten Aufsichtsräten und treffen dort regelmäßig Kollegen aus anderen Unternehmen. Und wenn sie einen anderen der Top-20.000 kennelernen wollen, ist das einfach: Über wenige persönliche Kontakte gibt es recht kurze Verbringungen zu allen anderen Entscheidungsträgern.

Die Personen, über die die meisten dieser Handschlagverbindungen laufen, sind die begehrten Netzwerkknoten – die „Hubs“ –, egal wie hoch die Zahl ihrer Aufsichtsratsposten ist. Fazit des Computers: An Rothensteiner führt in Österreich kein Weg vorbei. „Das ehrt mich“, meint der erfolgsgewöhnte Banker dazu, „ich bin seit 30 Jahren im Geschäft und habe eben viele Leute kennen gelernt. Aber mir ist schon aufgefallen, dass mich viele als Schlüsselfigur eines Netzwerks sehen – und deshalb um einen Termin ansuchen. Das stört mich nicht: Ich helfe gern!“ Und Rothensteiner kann leicht helfen: Das erkennt man schon, wenn man seine Beziehungen mit den anderen Top-Ten-Vernetzten analysiert (siehe Ranking): Mit acht von ihnen sitzt er gemeinsam in Aufsichtsräten.

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