Nein: Diskussionen bis jetzt nur scheinheilig geführt

„Soll die Gastronomie pönalisiert werden, nur damit irgend­etwas verboten wird?“

In Arztpraxen darf geraucht werden. In zahllosen Stiegenhäusern der heimischen Spitäler ist die Luft voll von Niko­tindunst. Aber dieselben Ärzte und deren Standesvertretung, die dies zulassen, fordern vehement ein totales Rauchverbot in der Gastronomie. Verlogener geht es nicht: Warum haben Ärzte nicht längst ein gesetzliches Rauchverbot in Arztpraxen durchgesetzt und dafür gesorgt, dass in Spitälern das Rauchverbot tatsächlich eingehalten wird? Etwa weil Ärzte ebenso oft rauchen wie andere Berufsgruppen? Ich bin dafür, dass Ärzte, die rauchen wollen, weiter rauchen sollen. Aber sie sollen nicht mit Steinen werfen, solange sie selbst im Glashaus sitzen. Ebenso verlogen ist, dass zwar jeder Gesundheitspolitiker den Tabakkonsum einschränken will, aber kein Fi­nanzminister auch nur daran denkt, auf sprudelnde Einnahmen aus der Tabaksteuer zu verzichten: Eigentlich müss­te ja schon der Verkauf von Rauchwaren verboten werden. War­um trauen sich Ärzte nicht, das zu fordern? Soll jetzt bloß deswegen die Gastronomie pönalisiert werden, damit irgendetwas verboten wird? Vor diesem Hintergrund erscheint der jüngste Vorstoß von SP-Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser, ein komplettes Rauchverbot als „Vorschlag der Vernunft“ darzustellen, als unbedarfte Neuauflage einer seit langem mehr als unehrlich geführten Debatte, bei welcher zwei Kernfragen un­beantwortet bleiben: Warum haben die Anti­raucherkampagnen der letzten Jahrzehnte so gut wie nicht ge­fruchtet? Warum sollen Wirte, Kaffeesieder und deren Mitarbeiter Gesundheits­apostel spielen und sich für rauchende Gäste strafen lassen, bloß weil Ärzte und Gesundheitspolitiker versagt haben?

Scheinheilig ist auch die Diskussion über das Passivrauchen, weil dessen Risiko – wie immer man es bewerten mag – gerade in gewerblichen Lokalen durch effiziente Lüftung wesentlich besser beherrschbar ist als im Auto (zumindest in der kalten Jahreszeit) und in den eigenen vier Wänden (wo sich die meisten Raucher – leider – deutlich länger aufhalten als im Kaffee- oder Wirtshaus). Ehrlich gesagt: Es wird sehr wahrscheinlich nie eine suchtfreie Gesellschaft geben, unabhängig davon, was gerade verboten ist. Wir sollten die Verbotskeule daher auf das unbedingt Nötige beschränken.

Jean-Pascal Tricoire, CEO Schneider Electric

Digital

Schneider Electric - die grüne Kraft der Digitalisierung

Palma: Airbnb & Co ab Sommer verboten

Immobilien

Palma: Airbnb & Co ab Sommer verboten

Wirtschaft

BAWAG-Chef Anas Abuzaakouk: Top-Verdiener im ATX