Museumsdirektor Seipel in FORMAT: "Causa Dürer ist ein Problem für Österreich"

In einem Interview im neuen FORMAT beurteilt Wilfried Seipel, Direktor des Kunsthistorischen Museums, ausführlich die "Causa Dürer" seines Kollegen und Konkurrenten Klaus Albrecht Schröder. Dieser verlieh bekanntlich ohne Ausfuhrgenehmigung des Bundesdenkmalamts 93 Dürer-Werke an den Prado in Madrid. Jetzt sollen die wichtigsten, wie etwa der berühmte Feldhase, schon nach vier Wochen zurückgeholt werden.

"Man kann argumentieren, daß Schröder sich diesmal zu viel vorgenommen hat, indem er dem Prado nicht bloß eine Auswahl seiner Dürer-Bestände zur Verfügung stellte, sondern mehr oder weniger die Hauptwerke und den Gesamtbestand", so Seipel.

Er kenne "keinen Fall, wo vom Bundesdenkmalamt ähnlich scharf reagiert wurde. In diesem Fall reagierte man wohl so, weil die Anzahl der auszuführenden Dürer-Blätter das normale Maß überschritten hat."

Und Seipel weiter: "Die ,Causa Dürer‘ ist im Augenblick ein großes Problem. Ein Problem auch für Österreich, weil die Verläßlichkeit, die Handschlagqualität von Museumsdirektoren letztlich in Zweifel gezogen wird. Da muß man jetzt versuchen, die Scherben wieder zu kitten."

Für Seipel scheint die baldige Heimholung der wichtigsten Dürer-Blätter aus Madrid nicht unumgänglich: "Der Prado ist ja zum Glück ein Weltmuseum, bei dem man keine Sorge haben muß, daß den Zeichnungen etwas passiert. Und wenn man die Blätter statt mit 50 Lux nur mit 30 Lux beleuchtet, könnte man vielleicht auch die Hauptwerke wie den Feldhasen länger als nur vier Wochen ausstellen."

In den Chor der Schröder-Jäger wolle er gleichwohl nicht einstimmen: Es mache "keinen Sinn, auf jemandem, der schon am Boden liegt, noch herumzutrampeln - jemanden, der bisher mit seinen Ausstellungen große Anerkennung gefunden hat, plötzlich in Grund und Boden zu verdammen", so der KHM-Direktor.

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