Mr. Alpine in der Provisionsfalle

Österreichs drittgrößter Baukonzern versinkt immer tiefer im Strudel einer Schmiergeldaffäre. Der Mehrheitsaktionär will das Unternehmen nun möglichst rasch verkaufen.

Georg Pappas kriegt sich seit zehn Tagen kaum ein vor Wut. Dabei hat sich der 75-jährige Kommerzialrat und Patriarch des steinreichen Salzburger Unternehmerclans (geschätztes Vermögen: rund 700 Millionen Euro) wegen seiner Besonnenheit und seines unternehmerischen Weitblicks einen sagenumwobenen Ruf erworben.

Was Pappas, unter anderem erfolgreicher Großimporteur von Mercedes in Österreich, und seinen 40-jährigen Sohn Alexander gar so wurmt: Die beiden müssen jeden Tag neue Enthüllungen über eine ihrer wichtigsten Unternehmensbeteiligungen ertragen – ein hässliches Amalgam aus Amigo-Affäre und Korruptionssumpf, das die Familie Pappas als Mehrheitsgesellschafter des drittgrößten Baukonzerns Österreichs nun so rasch wie möglich loswerden will: Laut FORMAT vorliegenden Informationen will die B&C Stiftung der Bank Austria Creditanstalt die Pappas-Anteile kaufen.

Zehn Tage lang alles verbockt. Den Sündenbock für den Schmiergeldskandal haben die Pappas’ längst ausgemacht. Denn Dietmar Aluta-Oltyan lässt seit zehn Tagen keinen Lapsus aus. Der 59-jährige Alpine-Chef, ein mit allen Wassern gewaschener Technikfreak, hat alles falsch gemacht, seit ein Rudel von 20 Ermittlern in den Büros des Baukonzerns im Salzburger Vorort Wals-Siezenheim auftauchte.

Während die Ermittler bei der Hausdurchsuchung nach Belastungsmaterial buddelten, versuchten Alpine-Manager, noch rasch belastende Computerdateien zu löschen. Anstatt zur Verhaftung des inzwischen zurückgetretenen Präsidenten des Münchner Fußballklubs TSV 1860, Karl-Heinz Wildmoser, und dessen Sohn „Heinzi“ Stellung zu beziehen, zog es Aluta-Oltyan vor, auf Tauchstation zu gehen. Die Folge: eine mediale Enthüllungslawine über angebliche Schmiergeldzahlungen der Alpine in der Höhe von 2,8 Millionen Euro beim Bau der Münchner Allianz-Arena an die Wildmosers.

Das PR-Desaster währte 36 Stunden, bis Alpine-Mehrheitsgesellschafter Pappas der Kragen platzte. In einer Presseinformation ließ Georg Pappas verlauten: „Die Familie Pappas fordert lückenlose Aufklärung der Vorwürfe.“ Nun musste sich auch Aluta-Oltyan äußern. Er zeigte sich in knappen Worten via Aussendung „zutiefst schockiert über die Vorwürfe“: „Wir werden nachweisen, dass keine Provisionen … gezahlt wurden.“

„Heinzi“ sang bis zum letzten Cent. Eine Argumentation, die zu diesem Zeitpunkt längst unhaltbar war: Zwar wurde Karl-Heinz Wildmoser, 60, am Freitag wieder enthaftet. Sohnemann „Heinzi“, 40, dagegen packte im Knast aus. Um der Alpine den 285-Millionen-Euro-Auftrag zu verschaffen, habe er im Gegenzug von Aluta-Oltyan exakt 2.429.632,86 Euro erhalten, gestückelt in drei Tranchen, unter anderem getarnt als Scheinrechnung „Provision für Projekt China“.

Verdacht auf Betrug und Untreue. Die Folge des Geständnisses: Die Staatsanwaltschaft Salzburg leitete gegen Aluta-Oltyan Voruntersuchungen wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue ein. In München führt der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld Ermittlungen gegen den für das Deutschland-Geschäft zuständigen Alpine-Vorstand Willy Böck durch.

Am Dienstag leistete sich Aluta-Oltyan den nächsten Patzer: Noch bevor er sich am Donnerstag in einer Pressekonferenz zu rechtfertigen versuchte, bestätigte er in der Einladung die Geldflüsse nach Deutschland – als legale „Arrangement Fee“ an „denjenigen, der die Unternehmensleitung auf dieses prestigeträchtige Projekt aufmerksam gemacht hat“.

Aluta-Oltyans Erklärungsversuch im FORMAT-Interview: Er habe Stefan Dung, einem Schulfreund des jungen Wildmoser, eine Provision gezahlt – „was die untereinander mit dem Geld gemacht haben, weiß ich nicht, und ich will es auch gar nicht wissen“. Aluta-Oltyan ist wild entschlossen, sogar gegen die Justiz mit Schadenersatzforderungen vorzugehen.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Interview mit Alpine-Chef Dietmar Aluta-Oltyan über die Korruptionsaffäre.

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