Motor der Weltwirtschaft

Die US-Wirtschaft boomt – freilich auf Pump. Gegen Asien kann sie sich so noch Jahrzehnte behaupten.

Einst war die Autoindustrie die Vorzeigebranche der US-Wirtschaft. Sie war Innovations- und Imageträger. Jetzt beschäftigt sie die Öffentlichkeit hauptsächlich mit Schlagzeilen über Schließungen. General Motors und Ford stecken tief in der Krise. Sie werden in den kommenden sechs Jahren zwei Dutzend Werke ganz oder teilweise schließen und dabei 60.000 Arbeitsplätze abbauen müssen. Die großen drei US-Autokonzerne GM, Ford und Chrysler haben am Heimatmarkt nur noch einen Marktanteil von 53 Prozent.
40 Prozent der Amerikaner fahren bereits ein asiatisches Modell.

Da sieht auch die Gewerkschaft UAW, deren Mitgliederzahl seit den siebziger Jahren von 1,5 Millionen auf 600.000 gesunken ist, keine Chance mehr zur Erhaltung der erkämpften Zuwendungen. So sagte UAW-Boss Ron Gettelfinger in dieser Woche beim Gewerkschaftstag in Las Vegas, dass „es sich nicht um einen konjunkturellen Abschwung, sondern um strukturelle Herausforderungen“ handelt.

Die Krise der traditionellen Industriebranchen trifft potenziell auch österreichische Unternehmen. So zählt der Autozulieferer Magna neben dem Energydrink-Erzeuger Red Bull zu den größten Exporteuren von Gütern in die USA. „Bei Textilien und Billigprodukten können wir nicht konkurrieren. Wo wir aber High Tech oder Dienstleistungen liefern, sind wir gut im Geschäft“, sagt Bruno Freytag, der österreichische Handelsdelegierte in New York, mit Verweis auf die guten Exportzahlen.

Österreich hat in den vergangenen sechs Jahren deutlich mehr in die USA exportiert, als es von dort importiert hat. Dies reflektiert den globalen Trend, in dem die Vereinigten Staaten gefangen sind. Sie kaufen im Ausland deutlich mehr, als sie dorthin verkaufen, vor allem Erdöl. Ihre Handelsbilanz war daher im Jahr 2005 mit 725,8 Milliarden US-Dollar und 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) negativ. Allein 202 Milliarden US-Dollar davon stammen aus dem Handel mit China. Zur Finanzierung dieser Lücke benötigen die USA massive Kapitalzuflüsse aus dem Ausland. Bleiben diese aus, droht eine Dollarabwertung mit entsprechenden Folgen für die Weltwirtschaft.

Auch der US-Haushalt ist negativ. Das Defizit belief sich nach Angaben des stellvertretenden Finanzministers Robert Kimmitt im Vorjahr auf 318 Milliarden US-Dollar oder 2,6 Prozent des BIP. Dieses Doppeldefizit gibt vielen Ökonomen Anlass zu Sorge. Kimmitt hingegen sieht sein Land beim Abbau der Defizite aufgrund steigender Einnahmen und einer größeren Ausgabendisziplin auf gutem Wege, plädiert aber für einen „geordneten Ausgleich zwischen den weltweiten Ersparnissen und der Nachfrage“ sowie für eine „Anpassung des Wechselkurses des chinesischen Renmimbi an die Marktbedingungen“. Würde die chinesische Währung aufwerten, wäre des Leistungsbilanzdefizit gleich geringer.

Ein Abgesang auf die US-Wirtschaft scheint trotz der Probleme verfrüht. Mit einer geplanten Wachstumsrate von 3,6 Prozent im heurigen Jahr und einer Arbeitslosigkeit von nur 5,1 Prozent dient die US-Wirtschaft der industrialisierten Welt noch immer als Motor.

Das wird auch in 20 Jahren noch so sein, glaubt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter: „2025 werden die USA weiterhin die größte und reichste Volkswirtschaft der Welt sein.“ Bei einer jährlichen Wachstumsrate von 3,1 Prozent werde sich das BIP bis dahin verdoppeln. Mit 55.000 US-Dollar werde das Einkommen pro Kopf dann neunmal so hoch sein wie in Indien und etwa fünfmal so hoch wie in China.

„Die 350 Millionen US-Amerikaner werden das einzige Volk sein, das reich ist und genügend Kinder hat“, prophezeit Walter. Doch dabei wird die Kluft zwischen Arm und Reich weiter wachsen. Das einkommensstärkste Prozent der US-Haushalte besitzt fast 50 Prozent aller Aktien. Und im Dienstleistungssektor, in dem vier Fünftel der Wirtschaftsleistung entstehen, wird sich die Spaltung zwischen den hoch qualifizierten Dienstleistungen, die gut ausgebildeten Menschen offen stehen, und den Niedriglohnbereichen fortsetzen.

Die kommenden Jahre bergen für die USA nicht nur wirtschaftliche Herausforderungen. Es geht auch um die moralische und die militärische Balance.

Die Reaktion der Militärs auf die Selbstmorde im karibischen Gefangenenlager Guantánamo („Propagandagag“) sowie die Ermordung von Zivilisten im irakischen Haditha durch US-Soldaten zeigen eine zunehmende Entfremdung im Umgang mit der Würde des Menschen. Gewiss, das kommt in einer Extremsituation wie einem Krieg vor. Es ist dennoch nicht entschuldbar und untergräbt, so wie schon der Folterskanal im irakischen Gefängnis von Abu Ghraib vor zwei Jahren, die Bemühungen der USA, eine bessere Welt zu schaffen. In der arabischen Welt, wo die Demokratie verbreitet werden soll, hat sich die Stimmung längst gegen die USA gewandt. Auch die Wähler zuhause fragen zunehmend, ob die Verbreitung von Demokratie in weit entfernten Ländern diesen Einsatz der Mittel rechtfertigt.

Im vergangenen Jahr haben die USA mit 450 Milliarden Euro fast so viel für Rüstung ausgegeben wie alle anderen Länder der Welt zusammen. Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungs-Instituts Sipri waren sie für vier Fünftel der Zunahme an den weltweiten Rüstungsausgaben verantwortlich. China liegt auch hier nun deutlich zurück: Der größte Waffenkäufer der letzten Jahre gab im vergangenen Jahr nicht einmal 50 Milliarden Euro für Rüstung aus. Ein Rückstand, der ökonomisch zum Vorteil werden kann.

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