Moralisch zwiespältig und trotzdem wirksam

„Kluge ­Korruptions­bekämpfung muss Kooperierenden Weg zurück in die Legalität eröffnen.“

Es besteht heutzutage kein Zweifel mehr daran, dass Korruption mit immensen volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Schäden einhergeht. Dies hat oftmals zu einer Haltung der Null­toleranz geführt. Bereits die Annahme kleiner Geschenke wird dabei geahndet, mit Bestechung erworbene Verträge werden für nichtig erklärt und straffällig gewordene Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt. Leider sind diese genannten Maßnahmen nicht dazu geeignet, die Korruption zu reduzieren. Stellen Sie sich vor, ein bestechender Unternehmer läuft von Tür zu Tür einer Behörde und sucht nach einem zu bestechenden Beamten. Moralisch integre Beamte lehnen dieses An­sinnen ab und verdienen dafür unser aller Respekt. Wie wäre aber ein Beamter einzuschätzen, der das Geld annimmt, die gewünschte Gegenleistung aber trotzdem nicht erbringt, ein Beamter also, der den Bestechenden betrügt? Ein solches Verhalten wirkt moralisch zwiespältig, schreckt aber künftige bestechende Täter wirksam ab. Während die absolut integren Beamten den Bestechenden lediglich von ihrer Tür zur nächsten schicken, hätte dieser Akteur dem korrupten Treiben des Bestechenden ein Ende gesetzt. Aber leider werden gerade solche Akteure von unserem Strafrecht schlecht behandelt. Sie trifft die volle Härte des Gesetzes. Selbst eine strafbefreiende Selbstanzeige nach Annahme des Bestechungsgeldes ist im Strafrecht nicht vor­gesehen. Wer einmal Bestechungsgelder angenommen hat, bleibt damit im Schweigekartell gefangen.

Eine Moral der Nulltoleranz bewirkt Ähnliches bei schwar­zen Listen und der Drohung mit der Nichtigkeit eingegangener Verträge: Kooperierende Unternehmen werden hierbei nicht belohnt und werden sich eher für das Verschweigen entscheiden. Eine kluge Bekämpfung der Korruption muss kooperierenden Indivi­duen und Unternehmen den Weg zurück in die Legalität eröffnen. Hierzu gibt es längst praktikable Vorschläge, die der Gesetzgeber mutig auf­greifen sollte.

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