Moral im Regal: Zielgruppe Gutmensch

Billa, Spar und Hofer setzen zunehmend auf Fairtrade-Lebensmittel. Wer in dem Business verdient und wie „gut“ die Produkte wirklich sind.

Lorenzo, Bauer im peruanischen Ort Montero, erntet jede Woche sein Zuckerrohr. Dennoch kommt er mit der Zuckerherstellung kaum nach. „Die Nachfrage aus Europa ist so hoch, dass wir neue Pressmaschinen anschaffen mussten“, sagt er bei einem Lokalaugenschein von FORMAT in den peruanischen Anden, „trotzdem können wir den Bedarf nicht decken.“

Lorenzo und seine Kollegen aus der Kooperative Cepicafe verkaufen ihren Zucker sowie Kaffee und Kakao an sogenannte Fairtrade-Importeure in Deutschland, den USA und Frankreich, die ihnen im Rahmen eines globalen entwicklungspolitisch inspirierten Systems Mindestpreise garantieren, die meist über dem Weltmarktniveau liegen.

Für ein Quinatl (45,5 Kilo) Fairtrade-Zucker bekommen sie zwanzig Dollar, ohne Fairtrade wären es nur drei Dollar. Wurden ihre Produkte in den Industrieländern lange nur über eher verschrobene Dritte-Welt-Läden vertrieben, springen nun zunehmend auch die großen Handelsketten auf den Zug auf – in Österreich etwa Billa, Spar und Hofer.

Weltweit wuchs der Umsatz mit Fairtrade-Produkten 2005 um 37 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. In Österreich stieg der Absatz im Einzelhandel sogar um 62 Prozent auf knapp 27 Millionen Euro. Kassenschlager sind Bananen, Kaffee und Orangensaft. Handelsexperten des Instituts für Handel und Marketing an der Wirtschaftsuni Wien rechnen inzwischen mit einem Marktanteil von zehn Prozent in den nächsten drei bis fünf Jahren. Kaffee etwa liegt derzeit schon bei 2,5 Prozent. Trendforscher Matthias Horx ortet einen „neuen Moralismus im Konsum“. Fairtrade-Österreich-Chef Georg Gruber hört das gern: „Viele wollen mit ihrer Kaufentscheidung ein Zeichen setzen.“

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