Molterer muss die Quadratur des Kreises versuchen

Wilhelm Molterer ist nun auch tatsächlich ÖVP-Chef. Was für ein Gesicht soll er der Partei geben? Und welches wird er ihr geben?

Die ÖVP steht am Scheideweg. Das Problem ihres neuen Parteichefs und Vizekanzlers Wilhelm Molterer ist, dass er beide Richtungen nehmen muss. Traditionen bewahrend auf dem Land, modern und offen bis zum Tabubruch in den Städten. Das ist sowohl ideologisch als auch wahltaktisch ein Widerspruch in sich. Lässt Molterer Tendenzen von der Kinderlosigkeit bis zur Kondomverteilung zu, wird er für den reaktionären Teil der ÖVP-Basis in Sekundenschnelle zum Gottseibeiuns.

Umgekehrt muss der Kdolsky-Typus Molterer und dessen Partei für Wechselwählerinnen in den Städten attraktiv machen. Da ist Auf-geschlossenheit gefragt. Zu viel Besinnung auf alte Werte macht es unmöglich, dass Alleinerzieherinnen oder Frauen in unehelichen Partnerschaften jemals ÖVP wählen.

Molterer wird daher nichts anderes übrig bleiben, als eine Quadratur des Kreises zu wagen. Diese heißt Zwei- Marken-Strategie. In der Theorie klingt das wunderbar. Doch ist Österreich geografisch und vor allem
medial viel zu kleinräumig. Statt der konservativ-liberalen Doppelmarke könnte ein Richtungsstreit wahrgenommen werden.

Hinzu kommt für Molterer das Dilemma einer inhaltlichen Leere der ÖVP. In der Tagesarbeit nach eigener Überzeugung stark regierend, wurde auf den Weitblick für Konzeptuelles vergessen. Das Gehrer-Bashing kratzt bloß an der Oberfläche, denn eine Volkspartei braucht bildungspolitische Langzeitpläne. Was ist die Vision der ÖVP für ein soziales Österreich? Ein vermittelbares Bild der Mediengesellschaft im Jahr 2020 oder 2050 gibt es in den schwarzen Reihen auch nicht.

Molterer muss also ein Ideenvakuum füllen. Dabei hat er das Luxusproblem eines zu gut gelungenen Starts. Der Dreh, dass es in Wahrheit eine ÖVP-Regierung mit SPÖ-Pseudoleitung gibt, wird im Erwartungsspiel zum Bumerang. Irgendwann fällt auf, dass Molterer nicht Kanzler ist, und er steht vor den Mühen der Ebene.

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