Mode: Blaumacher der Saison

Der Sommer wird hellblau, grau, weiß und schmal. Zumindest beim populärsten Beinkleid der Modegeschichte. FORMAT zeigt, dass Jeans nicht gleich Jeans ist und wo man sich den besten Stoff besorgen kann.

Der Stoff, aus dem Mythen gewebt werden, ist blau. Daran hat sich auch über 160 Jahre, nachdem der Bayer Levi Strauss nach Amerika emigrierte, um dort sein Glück zu versuchen, nichts geändert. Im Gegenteil, im fragmentarischen Be­wusst­sein der Postmoderne eignet man sich gar Marktstudien an und deutet sie ganz im hedonistischen Sinne um. Als etwa erhoben wurde, dass beim durchschnittlichen US-Bürger exakt sieben Paar Jeans im Kleiderschrank hängen, hatte man im Jahr 2000 gleich den passenden Namen für ein frisch gegründetes Luxus-Label: „7 for all mankind“ – so etwas geht direkt ins Hirn, nicht nur bei der Hollywoodprominenz, die bereitwillig den Steigbügelhalter gab, um die neuen Jeans am Markenhimmel zu etablieren. Was dann folgte, war ein Boom im Premium-Segment, Goldgräberstimmung sozusagen. Alte Markt­hasen wie Diesel oder Replay überarbeiteten ihre Konzepte, und für den Gecken von Welt galt es, Designer­jeans und neue Labels für sich zu entdecken, ohne im Denimtaumel das Altbewährte aus den Augen zu verlieren.

Strenge Linienführung. Sosehr sich die Hosen in Verarbeitung und Details aber unterscheiden, bei den Keylooks herrscht immer traute Einigkeit. So bleiben die Schnitte in dieser Saison körperbetont. Das Röhrenjeansrevival geht langsam, aber sicher dem Ende zu, und so sind gerade Li­nien in Beinnähe momentan eine Demonstration modischer Ge­schmackssicherheit. Am besten in Kombination mit hellen Waschungen oder einer Used-Optik. Wenn man einigermaßen die Gefahrenquellen des Alltagsschmutzes umschiffen kann, sind weiße Hosen im Sommer auch nie verkehrt und heuer sogar einmal en vogue. Mit dunklen Indigo-Tönen, die mit hellerer Oberbekleidung konterkariert werden, kann zudem ebenfalls Stilsicherheit bewiesen werden. Das transportiert Casual Chic und ist mit dem passenden Sakko durchaus auch bürotauglich. Passend heißt in diesem Fall (fast) alles außer Cord, es sei denn, man unterrichtet Latein oder Geschichte.

Niemals Double-Denim. Überhaupt gibt es einiges zu beachten, um im Jeans-Kosmos reüssieren zu können. Die Rebellion, das Auflehnen gegen das Establishment, für das die Bluejeans einst standen, ist nämlich nicht mehr. Und als irgendwann die Designergilde verschlissene Jeans schneiderte und dazu noch erfolgreich verkaufte, wurde auch die stumme Aussagekraft einer kaputten Hose völlig ausgehöhlt. Bewusstseinsdemonstration heißt demnach das Gebot der Stunde, und das wird über die Öko-Ebene ausgespielt. Lifestyle, ja, aber bitte fair produziert. Mit ruhigem Gewissen lassen sich dann auch etwaige Style-Gesetze leichter aufstellen respektive befolgen. Etwa jenes, dass das gleichzeitige Tragen von Jeansjacke und Jeanshose (Double Denim) strikt zu vermeiden ist. Das darf nur Bruce Springsteen, und der ist bekanntlich ja der „Boss“. Bedenken sollte man ebenfalls, dass das gerade Angesagte einem nicht immer gut zu Gesicht steht. Es hat keinen Sinn, sich in eine Röhre zu zwängen, Weiß steht bekanntlich auch nicht jedem, und Hüfthosen mit tiefen Schritt erfordern eine körperliche Mindestgröße oder die Zugehörigkeit zu einer Subkultur. So gesehen: Viel Spaß beim Shoppen.

Von Manfred Gram

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