Mirko Kovats kauft die Bank Burgenland zu äußerst attraktiven Konditionen.

Mirko Kovats ist großen Vorbildern einen Schritt näher gekommen: Der umtriebige Firmenjäger träumt davon, eine eigene Bank zu besitzen und so an die Tradition altehrwürdiger Industriefamilien anzuknüpfen. Sowohl die Turnauers (Constantia Privatbank) als auch die Kahanes (Gutmann Bank) lassen seit Jahrzehnten private und geschäftliche Finanzierungen bevorzugt vom eigenen Haus abwickeln.

Seit vergangenem Mittwoch ist auch Kovats dabei: Nach nur vier Verhandlungswochen übernimmt der Industrielle die skandalumwitterte Bank Burgenland (BaBu). Die im Herbst 2003 gestartete Privatisierung der im Landesbesitz befindlichen Hypothekenbank kommentiert Landeshauptmann Hans Niessl erleichtert: „Ich bin froh, mit Mirko Kovats eine echte österreichische Lösung gefunden zu haben, die auch eine Standortgarantie beinhaltet.“

Die Neuigkeit überraschte Freund und Feind gleichermaßen und sorgt nun für riesige Aufregung, vor allem im Vorfeld der Wahl im Burgenland im Oktober. Die Opposition ruft nach einer Sondersitzung. Raiffeisenlandesbank Burgenland und die litauische Bankas Snoras, die ebenfalls ein Auge auf die BaBu geworfen hatten, fühlen sich durch die überfallsartige Entscheidung übergangen. Sowohl Opposition als auch Konkurrenten sind nun eifrig dabei, Tretminen im Burgenland zu legen, um den Deal noch in letzter Minute zu Fall zu bringen. „Eine nochmalige objektive Prüfung der vorliegenden Angebote“ fordert Snoras-Banker Pavel Kryzhanovsky. Und ÖVP-Vizelandeshauptmann Franz Steindl will noch „mehrere Fragen“ beantwortet haben: „Uns fehlt die Kenntnis über die Details des Kovats-Angebots. Zu sagen, dass Kovats Bestbieter ist, ist zu wenig.“

FORMAT liegen Details des Kovats-Offerts exklusiv vor – und das birgt einige Überraschungen: Denn dem mit dem Land abgeschlossenen Vertrag zufolge bekommt Kovats die Bank zu Sonderkonditionen. Der Kaufpreis liegt zwar bei 110 Millionen Euro, die Bezahlung erfolgt aber in sieben Raten. Das im ersten Schritt von Kovats übernommene 49-Prozent-Paket kostet ihn Ende 2006 nur 2,45 Millionen Euro. Ein Jahr darauf sind 3,67 Millionen und 2008 exakt 4,9 Millionen Euro fällig. Bis 2012 muss Kovats weitere 42,87 Millionen Euro überweisen. Die Option für das verbleibende 51-Prozent-Paket kann er frühestens in zwei Jahren ziehen und hat für die Bezahlung (56,1 Millionen) ebenfalls bis 2012 Zeit.

Gleichzeitig garantiert ein Syndikatsvertrag Kovats vollständige Unabhängigkeit in der operativen Führung der Bank sowie alleinige Entscheidungsgewalt in der Gesellschafterversammlung ab dem ersten Tag. Im Klartext: Mit anfänglich sehr geringem Kapitaleinsatz verschafft sich Kovats die volle Kontrolle über eine Bank mit einem Eigenkapital von 87 Milliarden Euro. Bis 2008 haftet auch das Land uneingeschränkt für alle Schulden der Bank.

Industriezampano Kovats lässt sich von den politischen Querschüssen, er habe die Bank Burgenland zu billig bekommen, nicht beirren: „Ich habe eine Vereinbarung mit dem Land und nicht mit einer politischen Partei. Ich war der absolute Höchstbieter. Wenn jemand rechnet, dann soll er richtig rechnen.“ Abgezinst hat sein Offert einen Barwert von 93 Millionen Euro. „Ich liege auch finanzmathematisch noch weit vor den Mitbietern.“

Eine Bankgarantie legte Kovats nicht vor. Er bietet die weichere Variante an: Eine „Patronanzerklärung“ (Niessl) seiner A-Tec Industries soll dem Land die künftigen Millionenzahlungen sichern. Kovats spricht von „gut abgesicherten Garantien, die sehr werthaltig sind“.
Die Konkurrenten finden sich damit nicht ab. „Die Angebotsstruktur von Kovats ist mit unserer fast ident“, zweifelt Bankas-Snoras-Repräsentant Pavel Kryzhanovsky. Der Ärger der Litauer ist verständlich: Deren Offert liegt beim Barwert nur um drei Millionen Euro unter jenem der Kovats-Gruppe – und sie hätten erwartet, „zu einer Nachbesserung eingeladen zu werden“.

Auch ein Investorenkonsortium rund um den ehemaligen SP-Innenminister und Bürgermeister von Purkersdorf, Karl Schlögl, plant, den Deal auf dem Gerichtsweg zu verhindern.
Ein weiterer Vorwurf: Anwalt Christoph Herbst ist BaBu-Aufsichtsratspräsident, sein Kanzleipartner Christian Hausmaninger der Hausanwalt von Kovats.

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