Milliarden suchen ein Zuhause

Allein im heurigen Jahr flossen 3,5 Milliarden Euro in Immogesellschaften. FORMAT analysiert die Ursachen des Booms und zeigt, welche Renditen tatsächlich zu erzielen sind.

Auf den ersten Blick haben ein Einkaufszentrum in Wolgograd, ein Bank-Bürohaus in Warschau und eine Brauerei in Berlin nichts gemeinsam. Doch die Überprüfung im Grundbuch bringt anderes zutage: Die Eigner der völlig unterschiedlichen Objekte sind jeweils österreichische Investmentfirmen.
Auf der Suche nach geeigneten Liegenschaften ist den Managern heimischer Immogesellschaften kein Weg mehr zu weit. Auf Hochdruck wird nach attraktiven Renditen gefahndet. Die Hyperaktivität der Immoprofis hat einen einfachen Grund: Die Kassen der Unternehmen sind prall gefüllt. Seit sicherheitsbedürftige Anleger auf ihrem Sparbuch nur noch Zinsen in homöopathischer Dosis bekommen und die Renditen von Anleihen kaum mehr die Inflationsrate abdecken, hat ein beispielloser Run auf Immobilien eingesetzt. Die Hoffnung, mit solidem Grund und Boden höhere Erträge einzufahren als mit Zinspapieren, treibt immer mehr Anlegergeld in die Kassen börsennotierter Immobilienkonzerne. CA-Immobilien-AG-Vorstand Wolfhard Fromwald: „Das Zinsniveau ist historisch niedrig. Daher haben wir einen starken Zulauf.“

Milliarden in der Kasse.
Die großen Player wie Immofinanz oder Meinl European Land haben sich allein in diesem Jahr in Form von Kapitalerhöhungen 3,5 Milliarden Euro frisches Geld geholt. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es insgesamt nur 1,1 Milliarden Euro. Mittlerweile verwalten die börsennotierten Immofirmen bereits ein Grundstücksvermögen von sieben Milliarden Euro, und es wird immer schwieriger, für die enormen Summen ausreichend rentable Objekte zu finden. Schließlich gibt es neben den Immoaktien seit 2004 auch Immofonds, die in Grund und Boden investieren und ebenfalls bereits über 800 Millionen Euro eingesammelt haben (Kasten Seite 76).

Renditen von 17 Prozent und mehr.
Der Fokus der Immogesellschaften liegt derzeit immer noch in Österreich selbst oder in osteuropäischen Ländern. Dabei ist es schwierig, auf der Suche nach hohen Erträgen das Risiko begrenzt zu halten. Ernst Vejdovszky, Chef der Sparkassen Immobilien AG: „Es sind viele Millionen Euro in Ländern verschwunden, wo es keine Rechtssicherheit gibt.“
Dennoch zieht es die Investoren immer weiter Richtung Osten, wo lukrative Chancen bestehen. Während in Österreich mit Immobilien maximal 6 bis 6,5 Prozent Rendite zu erzielen sind, gibt es in den Zukunftsmärkten Osteuropas Erträge von bis zu 17 Prozent. Kein Wunder, dass die meisten Gesellschaften dorthin strömen. Und das möglichst schnell: Denn wenn ein Land erst einmal für Investoren interessant wird (wie etwa Rumänien oder Bulgarien, die vor dem EU-Beitritt stehen), dann gehen wegen steigender Nachfrage die Grundstückspreise in die Höhe, und die Renditen purzeln. Ein deutliches Beispiel: In Prag lagen die Renditen 1996 bei 12 Prozent. Heute sind es knapp 7,5 Prozent. Das ist ein jährlicher Renditerückgang von 0,5 Prozentpunkten. In Rumänien liegt das jährliche Minus gar bei einem Prozent.

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