„Milliarden für Übernahmen“

FORMAT sprach mit Georg Stumpf, Verwaltungsratschef der Oerlikon, über die jüngsten Rekordergebnisse, angebliche Liquiditätsprobleme und demnächst geplante Akquisitionen.

Format: Ihr Flaggschiff Oerlikon hat diese Woche Halbjahreszahlen veröffentlicht, die insgesamt fulminant ausgefallen sind. Umsatz und EBIT haben ein Rekordniveau erreicht, dennoch ist der Reingewinn niedriger ausgefallen, als vom Markt erwartet wurde. Sind Sie zufrieden?
Stumpf: Ich bin höchst zufrieden. Um an diesem Ergebnis etwas auszusetzen, muss man wirklich das Haar in der Suppe suchen. Wir haben den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr, wenn man Saurer und Oerlikon addiert, um 23 Prozent auf 2,7 Milliarden Franken gesteigert, das EBIT um 22 Prozent auf 231 Millionen. Das Nettoergebnis war durch die Integration der Saurer belastet, aber wer expandiert, hat eben anfangs auch Kosten. Außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass die Oerlikon vor drei Jahren noch Verluste in dreistelligen Millionenbeträgen gemacht hat. Das ist wirklich ein Turnaround aus dem Bilderbuch.
Format: Welche Bereiche haben zu dem Rekordergebnis beigetragen?
Stumpf: Alle fünf Sparten laufen gut. Aber herausragend ist der Solarbereich. Der hatte für die nächsten drei Jahre fast schon euphorische Umsatzprognosen von 50 Prozent plus pro anno. Und selbst diese Raten haben wir jetzt noch einmal nach oben gesetzt. Das EBIT wird sicherlich noch überproportional zum Geschäftsvolumen wachsen. In der nächsten Zeit wird es vor allem darum gehen, die Kapazitäten auszuweiten.
Format: Sie haben im Vorjahr den Textilmaschinenbauer Saurer übernommen. Wie kommen Sie da mit der Integration voran?
Stumpf: Das läuft nach Plan. Wir werden bis zum endgültigen Abschluss der Integration weniger als zwei Jahre brauchen. Wenn man bedenkt, dass das zwei weltweit operierende Unternehmen sind, ist das eine sehr kurze Zeit.
Format: Der aktuelle Börsenkurs der Oerlikon spiegelt die Rekordergebnisse derzeit nicht wider. Im Gegenteil: Der Aktienkurs ist von den Höchstständen im Frühjahr um mehr als die Hälfte gefallen. Wie erklären Sie sich das?
Stumpf: Ein Teil des Kursrückgangs ist sicher auf die aktuellen Börsenturbulenzen zurückzuführen. Die Höchststände von fast 800 Franken waren auch eine gewisse Übertreibung des Marktes, aber das Ausmaß des Kursverlusts ist sicherlich irrational.
Format: Ist Oerlikon unterbewertet?
Stumpf: Auf jeden Fall. Allein wenn Sie sich den Substanzwert des Unternehmens ansehen, dann ist die Bewertung derzeit auf jeden Fall extrem günstig. Für uns als strategische Investoren ist das zwar unwichtig, aber Freude haben wir damit natürlich auch nicht.
Format: Sie haben erst im Vorjahr mit Ihrem Partner Ronny Pecik und dem russischen Investor Viktor Vekselberg über 30 Prozent am Technologiekonzern Sulzer erworben, weil der gut zu Oerlikon passt. Letzte Woche haben Sie beide Ihre Anteile an Vekselberg verkauft. Warum ist Sulzer jetzt nicht mehr attraktiv?
Stumpf: Sulzer ist attraktiv, aber wir wollen uns jetzt auf die Oerlikon und unsere zweite Gruppe, die M+W Zander, konzentrieren.

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