Microsoft will US-Geschäft von TikTok übernehmen

US-Präsident Donald Trump hat sich auf die Video-Plattform TikTok eingeschossen und will sie in den USA verbieten. Nun hat Microsoft das Interesse bekundet, Tik Tok zu übernehmen.

Microsoft will US-Geschäft von TikTok übernehmen

US-Präsident Donald Trump will die populäre Videoplattform TikTok in den USA verbieten. Die Übernahme durch Microsoft könnte das verhindern.

Microsoft könnte das US-Geschäft der populären Video-App TikTok übernehmen. Der Software-Konzern aus Redmont bei Seattle will bis Mitte September einen Deal mit dem privaten chinesischen TikTok-Eigentümer ByteDance aushandeln. Auch das Geschäft in Kanada, Australien und Neuseeland soll Teil der Vereinbarung sein. Europa wurde von Microsoft in dem offiziellen Blog-Eintrag, in dem Microsoft das Interesse bekundete, nicht genannt.

Die Regierung Trump macht schon seit längerem gegen TikTok Stimmung und warnt der vermeintlichen Gefahr, dass Daten von Amerikanern in die Hände chinesischer Behörden geraten könnten. Zugleich will Trump den Einfluss Pekings in den USA mit aller Macht zurückdrängen, auch andere chinesische Konzerne wie die Telekom-Riesen Huawei und ZTE bekamen dies schon zu spüren. Im Fall von TikTok wird auch die Gefahr einer politischen Einflussnahme oder Zensur von Inhalten im Sinne Pekings angeführt.

Sollte jedoch ein US-Unternehmen TikToks Geschäft in den Vereinigten Staaten übernehmen, dürfte die App dort weiter eine Zukunft haben.

Die Verhandlungen zwischen ByteDance und Microsoft sollen vom Ausschuss für Auslandsinvestitionen in den USA überwacht werden. Das Gremium der US-Regierung behält sich das Recht vor, sein Veto gegen den Deal einzulegen.

Microsoft garantiert Datensicherheit

Microsoft erklärte, die Einwände Trumps ernst zu nehmen. Nach einem Gespräch des Firmenchefs Satya Nadella mit dem Präsidenten sollen die Übernahmepläne nun aber weiterverfolgt werden. Der Konzern wolle dafür sorgen, dass alle persönlichen Daten von US-Bürgern in die USA übertragen und nur dort gesammelt werden. Microsoft betonte zugleich, dass eine Übernahme nur im Einvernehmen mit der US-Regierung und im Zuge einer Sicherheitsprüfung infrage käme.

Dabei sei der Konzern auch offen gegenüber anderen Investoren, die sich als Minderheitspartner beteiligen. Damit könnte sich eine Tür für eine Reihe bestehender amerikanischer Anteilseigner von ByteDance um den Wagniskapitalgeber Sequoia Capital öffnen, die wegen des drohenden Verbots in den USA ebenfalls schon seit längerem als mögliche Käufer des US-Geschäfts gehandelt werden.

Die Kurzvideoplattform TikTok hat weltweit Hunderte Millionen Nutzer, davon rund 100 Millionen in den USA. ByteDance bemüht sich schon seit einiger Zeit, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. TikTok versichert, die chinesische Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Daten von US-Nutzern würden sowieso in den USA gespeichert und verarbeitet. In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin. Als Chef von TikTok wurde jüngst der Disney-Manager Kevin Mayer geholt, der bei dem US-Konzern lange als Kronprinz galt.

Milliardenpoker

Wie viel Microsoft für TikTok zahlen müsste, ist bisher unklar. Es dürfte aber um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen.

TikTok verzeichnet rasantes Wachstum und ist eine der angesagtesten Plattformen bei Jüngeren. Facebook versucht, auf den Zug mit dem Kurzvideo-Format Reels bei seiner Fotoplattform Instagram aufzuspringen. In den USA trat die App auch im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf in Erscheinung. So behaupteten TikTok-Nutzer vor Trumps Wahlkampf-Veranstaltung in Tulsa im Juni, sie hätten die Organisatoren mit Ticket-Anfragen überflutet, ohne hingehen zu wollen. Am Ende blieben zahlreiche Sitze in der Halle leer; die Veranstalter bestritten aber, dass die TikTok-Aktion Erfolg hatte.