Merkel? "Konnte nicht mit Messer und Gabel essen"

Die deutsche Kanzlerin Angel Merkel und der frührere Kanzler Kohl Seite an Seite

Die deutsche Kanzlerin Angel Merkel und der frührere Kanzler Kohl Seite an Seite

Der frühere Fernsehjournalist Heribert Schwan hat mit Helmut Kohl 600 Stunden über sein Leben gesprochen. In den nun veröffentlichtem geheimen Protokollen rechnet der Ex-Kanzler mit Parteifreunden wie Merkel, Wulff, Strauß, Schäuble und Weizäcker ab.

Das Magazin "Der Spiegel" bringt in seiner aktuellen Ausgabe einen Vorabdruck des Buchs "Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle". Von 2001 bis 2002 hat der Journalist des deutschen Senders WDR die Gespräche mit Kohl in insgesamt 105 Sitzungen aufgezeichnet. Die Zitate daraus sorgen in der CDU für erheblichen Unmut, vor allem bei den betroffenen Parteikollegen von damals. „Auf dem Niveau diskutiere ich nicht“, so etwa der ehemalige Sozialminister der Regierung Kohl, Norbert Blüm, gegenüber dem Handelsblatt. Ihn hatte Kohl laut den Tonbandaufzeichnungen, die im Buch zitiert werden, als Verräter bezeichnet. Und weiter: "Wie konnte ich mich so in Blüms Charakter täuschen." Auch Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach zeigte sich gegenüber dem Handelsblatt verärgert. "Über dem Tisch wird sich in staatsmännischer Manier freundlich mit Sekt zugeprostet – unter dem Tisch wird zugetreten.“

Merkel "Sie hat keine Ahnung"

Vernichtend auch das Urteil über Kanzlerin Angela Merkel und damals Umweltministerin: „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte bei den Staatsessen herum, sodass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musst." Und ein politisch noch vernichtenderes Urteil: "Sie hat keine Ahnung."

Wulff: Eine Null

Über Wulff, der vor seiner Wahl zum Staatsoberhaupt 2010 Regierungschef und CDU-Landesvorsitzender in Niedersachsen war, befindet Kohl: „Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null.“ Verräter" waren für Kohl jene in der Partei, die sich als erste von ihm abwendeten, als sich 1999/2000 herausstellte, dass er gegen das Parteiengesetz verstoßen hatte, als er Geldspender nicht nennen wollte. Aus Kohls Sicht haben sich gerade die Parteigliederungen von ihm abgewandt, die von dem Geld am meisten profitiert hatten. Er hatte von ihnen erwartet, in dieser schweren Zeit zu ihm zu stehen. Eine weitere "Verräterin": Angela Merkel. Mit ihr geht er in diesem Punkt aber weniger hart ins Gericht.

Strauß: Schweißgebadet, aber ein origineller Denker

Über den vor der Wende verstorbene CSU-Ikone Franz Josef Strauß hat Kohl belustigende als auch bewundernde Worte übrig. Zum einen hielt Kohl den bayerischen Sprachvirtuosen für einen "originellen Denker mit eigener Statur"; zum anderen ätzte er über den alternden Poltergeist: "Wenn der bayerische Löwe brülle, verbreitet er nur noch Mundgeruch." Ein weiterer Beweis für Kohl Witz waren seine Erzählungen über Wanderausflüge mit Strauß. Einmal, so Kohl, habe er den nicht mehr konditionsstarken Strauß bei einer Bergtour 50 Meter huckepack genommen. Kohl: "Was wäre wohl passiert, wenn er mir runtergefallen wäre? Das hätte mir keiner geglaubt, alle hätten geschrieben: Kohl hat den Strauß runtergeschmissen." Kohls Frau Marianne musste ihm zudem bei jedem gemeinsamen Wanderausflug Taschentücher für Strauß mitgeben, um den jedesmal schweißüberströmten Strauß Tücher reichen zu können.

Sebastian Kurz

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