Menschen hungern wegen falsch verstan­dener Klimapolitik

„Der Traum von der nachwachsenden und nie versiegenden ­Energiequelle ist ein gefährlicher Irrweg.“

Die Geschichte vom sogenannten Biosprit ist wie ein schöner Traum, der als Alptraum enden kann: Statt aus Öl werden Treibstoffe aus Pflanzen gemacht. Da diese nachwachsen, haben wir damit eine nie versiegende Energiequelle. So schön, so gut. Doch wer genau hinsieht, kann schon jetzt erkennen, dass dieser schöne Traum ein gefährlicher Irrweg ist: Die massenhafte Produktion von Bio­treibstoffen ist im Vergleich zu anderen Klimaschutzmaßnahmen teuer und ineffizient. Sie treibt die Preise für Getreide und Ölsaaten weltweit in schwindelnde Höhen. Allein die USA verwenden etwa elf Prozent der Weltproduktion an Mais für die Herstellung von Biosprit. Das hat immense Auswirkungen auf die globalen Preise. Enorm gestiegene Lebensmittelkosten treffen hierzulande vor allem die, die am wenigsten haben. In den ärmsten Ländern der Welt hungern die Menschen, weil sie sich Mais und Brot nicht mehr leisten können. Das ist die finstere Seite einer falsch verstandenen Umweltpolitik. Klimaschutz darf aber nicht auf Kosten derer gehen, die am wenigsten haben.

Aber auch aus volkswirtschaftlicher Sicht lohnt sich die Förderung von Agrotreibstoffen nicht. Die Arbeiterkammer hat berechnet, dass durch den Einsatz von Biodiesel im Jahr 2006 pro vermiedene Tonne des klimaschädlichen Kohlendioxids Kosten von etwa 210 Euro anfielen. Das bezahlen – durch die Mineral­ölsteuerbegünstigung und Preissteigerungen – Steuerzahler und Konsumenten. Im Vergleich dazu kostet Klimaschutz durch Wärmedämmung von Gebäuden nur ein Sechstel dieser Summe. Auch der Umwelt tut der Agrotreibstoff nicht gut. Geradezu katastrophal sind die Folgen vor allem dann, wenn in Entwicklungsländern tropischer Regenwald für Palmöl- oder Zuckerrohrplantagen abgeholzt wird. Inzwischen bröckelt die Front der Biosprit-Förderer: Deutschland hat sich vom einstigen Ziel einer zehnprozentigen Beimischung verabschiedet. Auch wir sollten jetzt Schluss machen mit dem Agrotreibstoff-Unfug – lieber heute als ­morgen.

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