"Mehr Einmischung möglich"

Bundespräsident Heinz Fischer spricht im FORMAT-Interview über sein Amtsverständnis, die Rolle Österreichs in der Welt und die „Unfreundlichkeiten“ der Koalitionsparteien.

Format: Herr Bundespräsident, Sie haben vor Weihnachten die österreichischen Truppen am Golan besucht. Hängt das mit der heftigen Diskussion des Hilfseinsatzes im Tschad zusammen, oder ist das reine Routine?
Heinz Fischer: Weder noch. Es ist nicht reine Routine, aber es gehört zu den Pflichten des Bundespräsidenten, sich um das österreichische Bundesheer zu kümmern. Das gilt natürlich auch für Soldaten, die außerhalb der Grenzen unseres Landes über Ersuchen
der Vereinten Nationen Dienst machen. Ich habe bisher als Bundespräsident Soldaten im Kosovo, in Bosnien und auf Zypern besucht. Jetzt war der Golan an der Reihe. Und natürlich ist das auch eine Gelegenheit, sich über die aktuellen Chancen für den Friedensprozess im Nahen Osten zu informieren.
Format: Bis jetzt waren diese Einsätze in Österreich unbestritten, sogar sehr anerkannt. Warum ist das beim bevorstehenden Einsatz im Tschad anders?
Fischer: Ich glaube, dass eine Mission in Zentralafrika – und damit in einem für Österreich ungewohnten Umfeld – Sorgen der Bevölkerung hervorruft beziehungsweise vergrößert. Das muss gar nicht mit der objektiven Gefährdungsrate zu tun haben. Es könnte theoretisch ein Einsatz im Nahen Osten gefährlicher sein als einer in Afrika. Aber Afrika ist uns nicht vertraut.
Format: Ist die Debatte über den Einsatz im Tschad nicht eine Stellvertreterdiskussion über die Frage, welche Rolle Österreich in der Welt spielen soll?
Fischer: Natürlich stellt sich immer wieder die Frage, wie wir die Prinzipien internationaler Solidarität und einer gemeinsamen außenpolitischen Verantwortung verstehen. Es könnte jemand meinen, dass man alle Anstrengungen und Risiken vermeiden sollte, wenn es um Probleme außerhalb der Grenzen unseres Landes geht. Dem steht aber das Konzept gegenüber, dass man Menschenrechte ernst nehmen muss und sich gemeinsam mit anderen europäischen Staaten an Hilfseinsätzen und friedenssichernden Maßnahmen beteiligt, wenn sie notwendig sind, um Menschenleben zu retten und unschuldige, wehrlose Menschen vor Gewalt zu schützen.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMATy

Karrieren

Studie: Wie Unternehmer ticken, was sie antreibt

Wirtschaft

Rapid Wien - Der Doppelpass auf der Rasierklinge

Wirtschaft

Volkswagen investiert 44 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien