Medien müssen als Auftraggeber ersten Schritt tun

Nach dem für alle überraschenden Wahlergebnis müssen die Meinungsforscher viel Kritik einstecken. Zu Recht? Hier ihre Replik:

Schon im 19. Jahrhundert haben Herausgeber den Zeitungen Fragebögen beigelegt, um über die Einstellungen ihrer LeserInnen berichten zu können. In den USA, wo es damals schon Wahlen gab, haben die Zeitungen so versucht, den Ausgang von Wahlen vorherzusagen.

Die Umfrageforschung wurde außerdem genutzt, um festzustellen, wie viele LeserInnen eine Zeitung hat. Zu Recht vermutete man, dass Zeitungen mehr LeserInnen als verkaufte Exemplare haben. Diese Aufträge der Medien haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Umfrageforschung weltweit etablieren – und methodisch weiterentwickeln – konnte. Für die Mediaanalyse in Österreich werden 16.600 Interviews durchgeführt – denn Reichweiten sind die Grundlage für die Aufteilung der Werbeetats.

Den LeserInnen allerdings werden Stichproben von 400 und 500 Befragten vorgesetzt – mit Schwankungsbreiten für die Sonntagsfrage von vier bis fünf Prozent. Wenn die Umfragen dann danebenliegen, und das sind sie in Österreich in letzter Zeit schon öfter, dann kann man ja die Meinungsforscher zu Verlierern abstempeln.

Die Nationalratswahl 2006 eignet sich allerdings nicht, um die Meinungsforschung zu schelten. Vier von fünf Instituten lieferten eine Woche vor der Wahl Umfragen, in denen die ÖVP einen leichten Vorsprung hatte: Der Wahlsieg der SPÖ lag eindeutig innerhalb der Schwankungsbreiten – last-minute swings noch nicht einberechnet. Die Verlierer der Wahl sind jene Medien und JournalistInnen, die auf leichtsinnigste Weise aus einem Zwei- oder Drei-Prozent-Vorsprung in einer Umfrage mit fünf Prozent Schwankungsbreite Sieg oder Niederlage machen. Mit irrelevanten und nicht signifikanten ein oder zwei Prozent auf oder ab wurden in Schlagzeilen und auf Titelblättern Absturz, Tod und Apokalypse prophezeit, wesentliche Qualitätsmerkmale der Umfragen aber wurden nicht berichtet. Wollen die Medien mehr Seriosität, müssen sie als Auftraggeber den ersten Schritt tun.

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