Mateschitz: "Seit 20 Jahren im Tresor"

Red-Bull-Boss Didi Mateschitz steigt gegen Coca-Cola und Pepsi in den Ring. Er bringt im April ein „simply Cola“ auf den Markt.

Format: Herr Mateschitz, seit wann sind Sie mit der Idee, ein Cola zu produzieren, schwanger, und wie kommen Sie auf die Idee, ein so altes Limonaden-Konzept wie das von Cola nachzuahmen?
Mateschitz: Die Idee gibt es seit 20 Jahren, so alt ist nämlich auch schon das Dosen-Design, das bei der Entwicklung der Red-Bull-Energydrink-Dose eine Alternative gewesen wäre. Diese Dose hatte jedoch zu wenig energetische Komponenten, „Drive“ und Effizienz. Schon damals sagten wir, dass es aber eine fantas­tische Softdrink-Dose wäre und dass wir damit eines Tages Red Bull Cola als Line-Extension zur Marke einführen könnten. Seitdem stand sie im Tresor.

Format: Seit Jahren wird spekuliert, dass Red Bull von Coca-Cola übernommen wirst. Jetzt bringen Sie selbst ein Cola-Getränk auf den Markt. Ein Gegenangriff auf den weltgrößten Markenartikelkonzern?
Mateschitz: Diese Übernahmespekulationen waren immer nur reine Erfindungen von Zeitungen. Genauso wenig ist unsere Einführung als Gegenangriff auf irgendjemanden zu verstehen. Es ist ganz einfach eine Re-Kapitalisierung der Marke Red Bull im größten Getränkemarkt der Welt, dem der koffein­haltigen Limonaden, sprich Colas. Schnoddrig ausgedrückt, könnte man sagen: Wenn die Softdrink-Konzerne einen Energydrink machen können, können wir genauso gut ein Cola machen.

Format: Wie oft hat man Ihnen für den Red-Bull-Konzern schon ein Übernahmeangebot gemacht, und wie viel wurde Ihnen dafür geboten?
Mateschitz: Red Bull ist erstens nicht zu haben, das ist zweitens bekannt, daher kam es drittens noch zu keinem Über­nahmeangebot.

Format: Eine klare Ansage. Gab es schon Reaktionen von Coca-Cola auf „simply Cola“?
Mateschitz: Uns gegenüber nicht, aber natürlich reagiert man im Markt.

Format: Wie reagiert der Handel auf „simply Cola“?
Mateschitz: Die Reaktionen sind fan­tastisch, zwischen Ungläubigkeit und Begeisterung angesiedelt. Wir haben eine Listung von 100 Prozent, kein einziger Handelskunde hat das Produkt abgelehnt.

Format: Wird es „simply Cola“ in der Gastronomie geben?
Mateschitz: Ja, vor allem. Endlich gibt es wieder ein Premium-Cola in der Gastronomie, das sich durch entsprechendes Image und Einzigartigkeit auszeichnet.

Format: Was ist denn so Besonderes dran an „simply Cola“?
Mateschitz: Das Konzept steht auf der Dose, strong & natural. Wir sind keine künstliche Limonade, die Inhaltsstoffe sind natürlicher Herkunft. Wie es sich für ein Cola gehört, beinhaltet dieses Kolanuss und Cocablätter. Wir verwenden Zucker, aber 20 Prozent weniger als andere.

Format: Wann und wo kann man Ihr Super-Cola kaufen?
Mateschitz: Wir starten Anfang April in ausgewählten europäischen Märkten wie Österreich, Schweiz, England, Irland sowie Italien und einigen Testmärkten in Russland. In den USA machen wir die Einführung in Las Vegas, um erste Anhaltspunkte über Akzeptanz und Reaktionen zu bekommen.

Format: Produziert wird „simply Cola“ bei Ihrem Haus-Abfüller Rauch?
Mateschitz: Richtig.

Format: Und wie werden Sie „simply Cola“ positionieren?
Mateschitz: Über die Einzigartigkeit der Marke Red Bull sowie über die Einzigartigkeit der Zusammensetzung.

Format: Wird es nicht schwierig sein, „simply Cola“ gegen Red Bull abzu­grenzen?
Mateschitz: Das passiert automatisch und ist gelernt. Wenn man die Funktionalität eines Energydrinks will, wählt man Red Bull, wenn man Lust und Laune auf ein Cola hat, dann wählt man „simply Cola“, ohne die Marke wechseln zu ­müssen.

Format: Welchen Anteil am Konzernumsatz von zuletzt drei Milliarden Euro peilen Sie mit „simply Cola“ in drei bis fünf Jahren an?
Mateschitz: Zirka 1:1.

Format: Zu welchem Preis wird die 250-, zu welchem die 355-Milliliter-Dose angeboten werden? Und wie wird der Preisvergleich zu Coca-Cola und Pepsi aussehen?
Mateschitz: Die große Dose mit 355 ml wird im Handel unter einem Euro kosten. Die 250-ml-Dose wird bei ca. 75 Cent liegen. Dies ist sowohl Coca-Cola als auch Pepsi gegenüber ein Preispremium.

Format: Wann starten Sie mit der Einführungskampagne?
Mateschitz: Es wird keine großartige Ein­führungskampagne geben, es geht eher um Distribution und Verfügbarmachung von „simply Cola“. Dass es das gibt, verbreitet sich in Windeseile, die Differenzierung steht auf der Dose, alles andere ist gelernt.

Format: Gibt es zumindest ein Promi-Werbetestimonial? Oder setzen Sie wie bei Red Bull auf Sportler?
Mateschitz: Weder noch. Es gibt nur eine Marke „Red Bull“, und diese wird wie bisher positioniert und kommuniziert.

Format: Kurzer Themenwechsel. Sie planen, bis 2010 Ihren Rennstall Toro Rosso zu verkaufen. Stimmt es auch, dass Sie nach der 0:7-Blamage Ihrer Kicker Ihre Fußball-Aktivitäten in Salzburg reduzieren möchten und sich dafür künftig bei den deutschen Kickern engagieren?
Mateschitz: Der Verkauf von Toro Rosso bis 2010 ist möglich. Nachdem aber die Reglements ab 2010 keine Synergien zwischen Teams ermöglichen, ist die Überlegung legitim, ob es nicht besser ist, sich auf ein Team zu konzentrieren und diesem alle Priorität zu geben. Unser Fußballkonzept ist keines für Deutschland, sondern ein internationales. Die Richtigkeit dieses Konzepts wiederum ist nicht davon abhängig, ob ein Spiel mehr oder weniger verloren wird. Das ist Schnee von gestern, kann (offensichtlich) passieren – und alles, was wichtig ist, ist nur, mit wie viel Kraft, Motivation und Selbstbewusstsein man die nächsten Spiele bestreitet.

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