Magnas großer Opel-Deal ist gescheitert:
Nun braucht Stronach dringend einen Plan B

Die Übernahme von Opel durch Magna ist gescheitert. GM will den Autobauer allein sanieren. Experten halten das für unmöglich. Frank Stronach braucht jetzt einen Plan B. Eine Expansion in Märkte wie China könnte das Unternehmen auf die Überholspur zurückbringen.

Nach außen gibt man sich betont gelassen. Magna-Gründer Frank Stronach lächelt sanftmütig, wünscht General Motors (GM) alles Gute. „Wir wollten helfen, um eine Pleite von GM zu verhindern“, sagte er der kanadischen Tageszeitung „The Star“. Auch Magna-Vorstandsvorsitzender Siegfried Wolf zeigt sich als guter Verlierer und versichert, dass die Zusammenarbeit mit General Motors nicht getrübt sei.

Klar, was sollen sie anderes ­sagen? Auch nach der geplatzten Übernahme von Opel durch ­Magna bleibt General Motors der größte Kunde des austro-kanadischen Zulieferers. Doch in der Magna-Firmenzentrale in Oberwaltersdorf fallen schärfere Töne. „Für uns ist die Sache ein Drama. Monatelang haben wir daran gearbeitet. Umsonst“, macht sich einer Luft. Gut hundert Leute waren seitens Magna mit der Abwicklung der Causa beauftragt: eine Phalanx an renommierten Anwälten, darunter die Kanzleien Gleiss Lutz, Dorda Brugger Jordis und CHSH, Dutzende Consulter und Top-Leute aus den eigenen Reihen. 120 Millionen Euro soll Stronach dafür in die Hand genommen haben. „Geld, das wir genauso gut aus dem Fenster hätten werfen können“, sagt ein Magna-Manager jetzt ernüchtert.

Plan B liegt nicht auf dem Tisch
"Was wir jetzt machen, wissen wir noch nicht", sagt Stronach. Fakt ist also, dass es keinen Plan B gibt. Dabei sollte dieser besser heute als morgen auf dem Tisch liegen, denn der mit 23,7 Milliarden Dollar Vorjahresumsatz drittgrößte Autozulieferer der Welt steckt tief in der Krise: Im zweiten Quartal 2009 brachen die Erlöse um ganze 45 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar ein, und der Gewinn im Vergleichszeitraum des Vorjahres drehte auf 200 Millionen Dollar Verlust.

Stärker in den chinesischen Markt hinein
Mit der gescheiterten Übernahme von Opel sind nicht alle Träume Stronachs geplatzt. So soll er bereits vor den Verhandlungen rund um den angeschlagenen Autobauer zunehmend die Expansion nach Asien ins Auge gefasst haben. Im Fokus: China. Schon jetzt unterhält Magna dort 16 Produktionsstandorte, dazu weitere sechs Engineering-Center. 2008 eröffnete der Autozulieferer weitere Werke in Changchun und Shanghai. In der Folge kletterte der Magna-Umsatz trotz des schwierigen Marktumfelds außerhalb der Kernmärkte Europas und Nordamerikas um 25 Prozent auf mehr als 500 Millionen Dollar. Und das insbesondere wegen der Zuwächse im Reich der Mitte.

Dennoch ist Magna im Vergleich zu seinen beiden Hauptkonkurrenten Bosch (Umsatz: 65,7 Milliarden Dollar) und Denso (Umsatz: 40,1 Milliarden Dollar) schwach aufgestellt. „Magna muss stärker in den chinesischen Markt hinein. China bietet im Hinblick auf den voranschreitenden Konsolidierungs- und Professionalisierungsprozess ideale Wachstumsmöglichkeiten. Die Chinesen holen jetzt stark auf“, sagt Christian Breitsprecher, Automobilanalyst bei der deutschen Privatbank Sal. Oppenheim.

Magna auf Ausschau nach neuem Autobauer?
Rund 500 Millionen Euro hätte Magna für den Einstieg bei Opel in die Hand genommen. Mittel, die jetzt direkt in die Kriegskasse fließen dürften. „Wir haben Geld auf der Seite. In Zeiten wie diesen ist es gut, viel Cash zu haben“, sagt Stronach. Zwischen den Zeilen könnte das auf eine Shoppingtour hindeuten. „Wenn Stronach die Möglichkeit hat, einen anderen Autobauer zu kaufen, wird er das wahrscheinlich tun“, sagt der deutsche "Automobilpapst" Ferdinand Dudenhöffer. Der französische Magna-Konkurrent Faurecia sowie der amerikanische Zulieferer Visteon wollen sich von Unternehmensteilen trennen – auch das könnte für Magna interessant werden. „Einzelne Zukäufe zur Komplettierung sind realistisch“, sagt Stefan ­Lippautz vom internationalen Beratungsunternehmen Arthur D. Little.

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