Madonna wird 50: 'Power Pop Barbie'

Madonna wird 50 und gibt im September ihr erstes Konzert in Österreich. Die Tournee muss Zweifel ausräumen, ob der Star für weitere zehn Jahre eine profitable Marke im Pop-Business bleiben kann.

Als Madonna im vergangenen Herbst ihren 120-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem Konzertveranstalter-Riesen Live Nation unterzeichnete, wurde in der Branche verhaltene Skepsis spürbar. Keine Frage, die Frau aus Michigan gehört mit mehr als 200 Millionen verkauften ­Alben zu den erfolgreichsten Popstars aller Zeiten – doch liegt nicht ein Gutteil ihrer Karriere schon hinter ihr? Auf die Frage, ob Madonna noch profitabel sei, gab sich Arthur Fogel, Produzent der letzten drei Madonna-Tourneen und Chef des „global touring“-Segments bei Live Nation, gegenüber der Agentur AP bockig. „Wir wären diesen Deal nicht eingegangen, wenn wir uns nicht große Umsätze erwarten würden“, erklärte er.

Mit der „Sticky & Sweet“-Tour , die am 23. September auf der Wiener Donauinsel Station macht, versucht Madonna zu beweisen, dass ihr Kurs keinesfalls im ­Sinken begriffen ist. Der Deal mit Live Nation, der dem Konzern die Hoheit über sämtliche Verwertungskanäle der Marke Madonna einräumt, verpflichtet sie außerdem zu drei Alben, abzuliefern im Laufe der nächsten zehn Jahre, mit 17 Millionen Dollar Produktionsvorschuss für jedes einzelne. Zuvor feiert die „Queen of Pop“ noch Geburtstag: Am 16. August, eine Woche vor dem Start der Tour im walisischen Cardiff, wird sie 50 Jahre alt.

Markenartikel Madonna. Dass über Madonna mittlerweile wie über eine Wert­anlage geredet wird, sagt viel über die Entzauberung der Popbranche. Doch die Sängerin, die im selben Jahr auf die Welt kam, in dem sich die Firma Mattel die Barbiepuppe patentieren ließ, hat ihre Verwandlung zum Markenartikel konsequent forciert. Schon in den 80er-Jahren gab die Verpackungskünstlerin den Leitspruch der ständigen Neuerfindung aus und bediente damit den Hunger des Business und den individualistischen Zeitgeist.

Die wasserstoffblonden Haare setzten ein Zeichen für den Triumph der Künstlichkeit, dazu jonglierte Madonna mit Frauenrollen, trat mal burschikos, mal als Vamp, als Marilyn-Klon oder als Esoterik­anhängerin auf. Madonna hielt ihre Ästhetik stets durch den Austausch mit der Subkultur frisch. Die Sadomaso- und Gay-Ästhetik bildete von Anfang an ein hervorragendes Stilreservoir, Hip-Hop und Balkan-Sound wurden ebenso Teil ihres Ideensteinbruchs. Madonna funktionierte als Umwertungsmaschine des Pop, die den Underground kompakt verschnürt in den Mainstream ausspuckte, und weckte damit auch das Interesse der Kulturwissenschaftler.

Im Mai bot Madonna im Pariser „Olympia“ erste Einblicke in ihre Liveshow. Ihr Look – mit hochgeschnürten Schuhen und sportlichem Jäckchen ein Mix aus Domina- und Fitnesscenter-Style – unterschied sich nicht zu sehr von jenem, den Neo-Popqueens wie Fergie seit geraumer Zeit pflegen. Für die Tour soll das New Yorker Duo Heatherette, bekannt als Ausstatter des Wiener Life Ball 2007, Kostüme liefern, berichtete MTV – es wären neue Namen, aber ein bewährtes Rezept.

Retro-Einschlag. Möglicherweise ist die Subkultur heute zu schnelllebig, als dass sie Madonna noch Stoff für Entdeckungen bieten könnte. In den vergangenen Jahren hat ihre Ästhetik einen Retro-Einschlag bekommen. „American Life“, ihr bis dato erfolglosestes Album, ging mit frickelnden Boutique-Beats und einem platten Che-Guevara-Zitat am Cover an den Fans vorbei, mit dem Album „Confessions on a dance floor“ kehrte die Diva in vertraute Disco-Gefilde zurück. Die ak­tuelle CD „Hard Candy“ ist die bisher stärkste ­Annäherung an einen Mainstream, den Madonna nicht selbst geprägt hat. Sie lässt sich von den US-Hitmachern Justin Timberlake, Timbaland und Pharrell Williams mitziehen.

Das Album bescherte Madonna respektable Erfolge , in der ersten Woche nach Erscheinen lag die CD in den USA dennoch 70.000 Exemplare hinter den Verkaufszahlen des Vorgängers – in der Baisse des Musikmarktes verkaufen auch Megaseller nicht mehr so wie früher. Die Popqueen hat ihr Wirken längst auf andere Felder ausgedehnt – sie schrieb Kinderbücher, führte Regie bei einem Spielfilm („Filth and Wisdom“, 2008) und produzierte einen Dokumentarfilm über Menschen in Malawi, jenem Land, aus dem sie 2006 ihren Adoptivsohn David Banda holte. Menschenrechtsorganisa­tionen kritisierten damals, dass Madonna sich über den rechtsüblichen Weg hinweggesetzt hatte, und der Boulevard nahm die Episode zum Anlass, am Image der Diva zu kratzen.

Kein Stillstand. Zuletzt schossen sich die bunten Blätter auf die Ehe des Stars ein: Das Gerücht, sie würde den Regisseur Guy Ritchie wegen des Base­ballspielers Alex Rodriguez verlassen, veranlasste Madonna immerhin zu einem offiziellen Dementi. Im Reigen der Superstars strahlt Madonna dennoch heller als ihre Kolleginnen. An ihr wird sich zeigen, wie gut sich das Star-System ins 21. Jahrhundert retten lässt. Einen Stillstand kann sich die Madonna-Maschinerie nicht erlauben.

Von Michael Huber

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