Luxusmatch der Nobelkarossen: Bentley
und Rolls-Royce entwickeln sich prächtig

Einen besseren Namen hätte man sich für Goodwood nicht ausdenken können. Die sanften Hügel und romantischen Wälder der neuen Produktionsstätte von Rolls-Royce nahe dem südenglischen Brighton könnten die Kulisse für eine Rosamunde-Pilcher-Verfilmung bilden. Rolls-Royce Motor Cars produziert hier seit dem Jahr 2003 – seitdem die Trennung von Bentley endgültig vollzogen worden ist. Bentley blieb in der veralteten Fabrik im mittelenglischen Crewe. Vorausgegangen war der Aufteilung der beiden britischen Luxus-Automarken ein Übernahmekampf, der ins Jahr 1998 zurückreicht.

Sowohl VW als auch BMW wollten den noch vereinten Hersteller kaufen. Dabei ging es nicht nur um dessen Produkte. Es war auch ein Kampf der Egos der damaligen Konzernlenker Ferdinand Piëch (VW) und Bernd Pischetsrieder (BMW).

Das Rennen entschied vorerst VW-Chef Piëch für sich – mit einem Gebot über 1,4 Milliarden Euro für das marode Unternehmen. Doch dann musste er die Markenrechte von Rolls-Royce an den Konkurrenten BMW abtreten, der sich diese schon über den Triebwerkshersteller Rolls-Royce gesichert hatte. Das Tischtuch war damit zerschnitten. Beide Konzerne starteten die Entwicklung neuer Modelle. Beide Marken haben sich seit der Trennung gut entwickelt. Rolls-Royce hat mit der Produktion seiner Autos zum Jahreswechsel 2002/2003 in Goodwood bei null begonnen und sich bis zum Vorjahr auf gut 1000 Stück gesteigert. Auch heuer soll der Absatz wieder um ein Viertel zulegen. Man wolle aber bewusst sehr exklusiv bleiben, sagt Finanzchef Hanno Kirner.
Bentley hat den Nobel-Konkurrenten zwischenzeitlich hinter sich gelassen und hat im Vorjahr - allerdings zu niedrigeren Preisen - zehn Mal so viele Autos verkauft. Weiteres Wachstum ist angepeilt.

"Baby-Rolls-Royce"
Derzeit arbeiten die Designer in Goodwood an einer neuen Modellreihe, dem RR4. Dieser "Baby-Rolls-Royce" soll die Lücke in der Produktpalette zwischen dem 7er-BMW und der Phantom-Reihe ab Ende nächsten Jahres schließen. "Ein Auto, das für Österreich sehr interessant werden wird", sagt Florian Ebmer, Markenleiter beim Importeur Karner Group. Um den RR4 auch produzieren zu können, baut Rolls-Royce in Goodwood eine zweite Produktionslinie auf. Bald soll zudem im Schichtbetrieb gearbeitet werden.
Denn "die Wartezeiten gehen derzeit an die Grenzen dessen, was man im Markt haben sollte", begründet Kirner den Ausbau. "Auf das Cabrio wartet man bis Ende 2009, auch das Coupé ist bis ins nächste Jahr hinein ausverkauft."

Ähnliche Produktpaletten
Fünf Jahre nach der Trennung werden die Modellpaletten von Bentley und Rolls-Royce zunehmend ähnlicher. Stand Bentley jahrzehntelang immer für die billigeren und sportlicheren
Modelle, so stellte Rolls-Royce die teureren und luxuriöseren Autos her. Noch jetzt zahlt man für einen Bentley netto zwischen 190.000 und 300.000 Euro, und für einen Rolls-Royce muss man vor Steuern und Abgaben mindestens 364.000 Euro auf den Tisch legen. Mit dem teuren Brooklands stieß Bentley aber kürzlich in das Segment der großen Limousinen vor. Und Rolls-Royce bringt nächstes Jahr mit dem RR4 ein günstigeres und vergleichsweise sportliches Modell zu einem Preis zwischen 200.000 und 300.000 Euro heraus.

Diese Unternehmenspolitik folgt dem Trend. Bentley sei ein "driver’s car", ein Auto, das der Besitzer selbst fährt, hieß es früher immer. Und Rolls-Royce sei ein "owner’s car", eines, in dem sich der Eigentümer von seinem Chauffeur fahren lässt. Das ändert sich jetzt. "In den USA, unserem größten Markt, fahren die meisten Käufer sowieso lieber selbst. Auch in Europa wird dieser Trend stärker", so Kirner. "90 Prozent der Europäer fahren ihren Rolls-Royce inzwischen selbst."China, das Großbritannien heuer oder spätestens im nächsten Jahr als Absatzmarkt Nummer zwei überholen wird, sei hingegen ein Markt für die von Chauffeuren gelenkte Langversion des Phantom.

Mehr Bentleys als Rolls-Royces in Österreich
Auf Österreichs Straßen fahren weiterhin deutlich mehr Bentleys als Rolls-Royce. Allein im vergangenen Jahr seien 74 neue Autos – hauptsächlich aus der Continental-Reihe – angemeldet worden, erläutert Robert Engstler, Chef von Bentley Wien. Wie viele Fahrzeuge Rolls-Royce hierzulande verkauft hat, bleibt geheim. Dem Vernehmen nach sind es ein gutes Dutzend.

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Peter Pelinka

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