Lugner muß sein Bauimperium liquidieren

Publicity-Meister Richard Lugner in der Krise: Er liquidiert sein Bauimperium, wird von Gläubigern verfolgt und zittert um sein geplantes Großkino LugnerPlex.

Sind sie das eigentlich noch selbst, die Lugners, oder hat man sie über Nacht ausgetauscht und durch Doppelgänger ersetzt, unwillige noch dazu? Societykönig Richard vulgo „Mörtel“, vor dem es normalerweise kein Entkommen gibt – ein müdes, mattes Stimmchen am Telefon. „I mog jetzt net reden“, sagt es: „Bitte um Verständnis, wiederschaun.“ Dann ist es still in der Leitung. Und Christina vulgo „Mausi“, die sonst beharrlich keine Gelegenheit für eine Wortspende in eigener Sache auslässt – ein personifizierter Fluchtreflex. „Ich kann keine Auskünfte geben“, wehrt sie genervt ab, stopft Dinge in ihre Handtasche und eilt aus dem Büro im Verwaltungstrakt der Lugner City, ohne sich noch einmal umzusehen.

Draußen am Gang hängt ein Plakat. Es wirbt für die Reality-Soap „Die Lugners“, in der sich das Ehepaar auf ATV+ Folge für Folge drollig durch die Welt kasperlt. So kannte man das Duo bislang. Aber jetzt ist plötzlich alles anders, und der vom Sender für die erste Staffel ersonnene Promotion-Stabreim „Mörtel, Mausi und Moneten“ klingt noch weniger nach Jetset als schon bisher.

Denn die Firma Baumeister Ing. Richard Lugner (Inhaber: Richard; Prokuristen: unter anderem Christina sowie Andreas und Alexander, Lugners Söhne aus erster Ehe), Grundstein für den Aufstieg des Wiener Hochbauingenieurs zum Multiunternehmer, knarzt und knackst unter einem Haufen Schulden wie ein alter Parkettboden.

Die wirtschaftlichen Imponderabilien treffen einen Mann, der ein Vierteljahrhundert kaum eine Gelegenheit ausgelassen hatte, auf dem Societyparkett in seiner Paraderolle als Bautycoon zu glänzen – doch jetzt bröckelt die Fassade: Wirtschaftsprüfer wühlen sich durch die Bilanzen seines verschachtelten Imperiums, Banker hinterfragen die ehrgeizigen Pläne für das Mega-Kinocenter LugnerPlex, die der 70-jährige Unternehmer wälzt.
Eigentlich soll in Kürze am Wiener Neubaugürtel mit der Errichtung des Filmpalastes begonnen werden. Aber statt Baubrigaden stellen sich gleich nebenan in der Lugner City ganze Rudel von Gläubigern um die Rückzahlung hoher Geldsummen an.

Seither muss sich Lugner zu seinem sichtlichen Missvergnügen sogar von harmlosen Klatschreportern über seine finanzielle Situation verhören lassen – was jedes Mal zum schlagartigen Verstummen des Plauderwastls der Nation führt.

Die Erkenntnis, dass in Richies Reich eine veritable Krise ausgebrochen ist, datiert erst wenige Tage zurück. Dass er als Bauunternehmer seinen Hut nimmt, steht seit Mitte Juni fest (FORMAT 24/03: „Lugner-Söhne übernehmen die Macht“), dass sein Bauunternehmen bis zum Jahresende liquidiert wird, auch.
Umso heftiger erregen nun die Umstände seines offenbar penibel vorbereiteten Rückzugs die Gemüter: Vor kurzem versuchte Lugner nämlich, mit einem stillen Ausgleich aus der Bredouille zu kommen: „Aufgrund der finanzwirtschaftlichen Situation“ offerierte die Firma Baumeister Ing. Richard Lugner ihren Gläubigern per Fax namens der Lugner-Söhne-Privatstiftung die pauschale Abgeltung von 27,9 Prozent der offenen Forderungen: „Diese Quote … versteht sich als Abschlagszahlung mit schuldbefreiender Wirkung“, hieß es in dem von der Unternehmenssanierungs- und Ausgleichsberatungskanzlei GmbH (USAB) formulierten Angebot, und: „Zahlung erfolgt von dritter Seite.“

Mit anderen Worten: Der vermögende Geschäftsmann Lugner – in seiner Privatstiftung ist ein Vermögen von mehr als hundert Millionen Euro gebunkert – versuchte, seine Lieferanten um fast drei Viertel ihrer Außenstände zu bringen. Der Grund für diese Vorgangsweise liegt auf der Hand: Das Bauunternehmen ist eine Einzelfirma, für die Lugner im Fall einer Insolvenz mit seinem gesamten Privatvermögen haften würde. „Die Gläubiger sind schon seit längerem ungeduldig“, bestätigt auch Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV).

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