Länger arbeiten für gleich viel Geld?
Die große Arbeitszeit-Debatte

Sollen wir mehr für unser Geld arbeiten, um unsere Arbeitsplätze zu retten?

Schwierige Fälle sind die Spezialität der Truppe rund um den Sanierer Erhard Grossnigg. Als deren REB GmbH im September 2003 die angeschlagene Neudörfler Büromöbelfabrik übernahm, konfrontierte der neue Geschäftsführer Manfred Kunze, einer der Troubleshooter, die Belegschaft rasch mit ebenso unkonventionellen wie schmerzhaften Forderungen.

Seit ein paar Monaten arbeiten die 300 Mitarbeiter des Möbelproduzenten im burgenländischen Neudörfl 41,5 Stunden pro Woche, drei mehr, als der Kollektivvertrag vorsieht – und bekommen dafür keinen Cent zusätzlich bezahlt. Für Kunze ein Sieg der Vernunft: „Wir haben durchgesetzt, dass die Leute fürs gleiche Geld länger arbeiten. Natürlich hat es gedauert, bis alle die Notwendigkeit begriffen haben. Dann gab es aber große Zustimmung, auch bei den Betriebsräten.“ Der Sanierer argumentiert: „Statt den Leuten Geld wegzunehmen, finde ich es viel humaner, wenn sie etwas hergeben, wovon sie im Überfluss haben: Nämlich Freizeit.“

Weil Betriebsvereinbarungen wie die bei Neudörfler verboten sind, hängten Grossnigg und Kunze die Sache nicht an die große Glocke. Seit in Österreich die Diskussion um die Verlängerung der Arbeitszeiten losgebrochen ist, stehen sie öffentlich dazu.

Sorger und Siemens brachen Tabu. Losgetreten hat die heftige Debatte der neue Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, vor zwei Wochen in einem FORMAT-Interview. Er sagt nun: „Ich bin froh, dass ich dieses Tabu gebrochen habe.“ Es folgte ein Knalleffekt in Deutschland: Mit der Drohung, zwei Handywerke mit 4.000 Jobs nach Ungarn zu verlagern, erzwang Siemens die Verlängerung der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden – ohne Lohnausgleich. 300 weitere Betriebe wollen folgen. Die deutsche Bauwirtschaft drängt auf die 42-Stunden-Woche.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel ist gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit.
PLUS: Der neue Industriellenpräsident Veit Sorger über seine Forderung nach längeren Arbeitszeiten.

Minenfeld Online-Dating: Wie man hohe Extrakosten umschifft

Recht

Minenfeld Online-Dating: Wie man hohe Extrakosten umschifft

Karrieren

trend-Ranking: Österreichs 300 beste Arbeitgeber

Bonität

Out of Business: Insolvenzfälle vom 23. Februar 2017