Kurswechsel statt kosmetische Korrekturen

Ein Jahr nach der Wahlniederlage präsentiert ÖVP-Minister Josef Pröll am 1. Oktober die Ergebnisse der parteiinternen Diskussion.

Die Volkspartei sollte zuerst die Ursache für ihr Wählervertreibungsprogramm finden, bevor man sich auf die Suche nach Perspektiven macht. Faktum ist, dass die einfachen Bürger zwischenzeitlich dringend einen Arbeitsplatz suchen mit einem Gehalt zum Auskommen nach 15 Jahren Lohnstagnation oder eine Pflegerin für die kranke Mutter oder den Vater zum Bezahlen oder auch eine Pension, mit der man überleben kann – das ist tägliche Form von Gegenwarts- und Zukunftsbewältigung.

Die Menschen brauchen keine akademischen Perspektiven, außer die handfesten – vor der eigenen Haustür. Für den „Buabn“ dringend einen Lehrplatz und fürs „Madl“ einen Hort- oder Heimplatz, beste Ausbildung, egal ob Ganztags- oder Gesamtschule, für die Kinder oder in besonderen Notfällen als Perspektive die Sicherheit, im Leben nicht allein gelassen zu werden.

Ich habe von der ÖVP-Perspektiven-Generalstabstruppe wohl gehört und gelesen, ich selber als Arbeitnehmervertreter war aber bei diesem erlauchten Kreis nicht dabei. So weit geht die Perspektive der ÖVP auch wieder nicht. Für mich auch kein Problem. Ich halte mich weiter – so gut es geht – an die zehn Gebote und an das alte „Salzburger Programm“, das ohnehin kaum noch jemand kennt oder lebt.

Was immer die Perspektiven-Truppe der Bundespartei präsentieren wird: Nur wer Grundsätze und Werte hat und sie lebt, kann auch Perspektiven entwickeln. Perspektiven für die Menschen sind die Perspektiven für eine Volkspartei. Offenheit, Toleranz und Modernität passen nicht zu einer Aufbruchspartei, in der der Maulkorb regiert, die immer noch lieber Unbequeme und Querdenker ausgrenzt statt einbindet. Eine christlich-soziale Partei, die geprägt ist von einer Industrie- und Bauernlobby muss wieder ihre bürgerlichen Wurzeln der Solidarität mit allen und daraus die nötigen Antworten für die Zukunft finden. Mehr Wärme, mehr Volksnähe, das Ohr beim Bürger, mehr Solidarität, mehr soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit: Das sind die Themen und Perspektiven, die Hoffnung und die vor allem wieder Wähler zurückbringen.

Kommentar

Standpunkte

Arbeitsmarkt: ein Berg voller Herausforderungen

Ravin Mehta, Gründer von "The unbelievable Machine Company" (*uM)

Digitalisierung: Vorwärts in die Zukunft

Big Data, big Business: "Daten sind besser als Öl"

Geldanlage: Beim Nutzen von Chancen sind die Österreicher nicht Weltmeister.

Geld

So schlechte Anleger sind Österreicher im EU-Vergleich