'Kunst am Ball' - Alles rund ums Leder

Der deutsche Autor Thomas Brussig macht mit einer Lesung den Ankick, im Künstlerhaus wird europäische Fußballgeschichte ausgestellt, der ORF schickt ­Promis ins Trainingslager. Die Fußball-EURO ’08 spielt sich nicht nur am Rasen ab.

Fußball und Kunst – spätestens seit der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ist es salonfähig geworden, den kulturellen und ästhetischen Aspekten, die sich ums runde Leder auftun, einen künstlerischen Mehrwert zu verpassen. Vor­wiegend geschieht dies in literarischer Form. Nur, im Zuge eines Großereignisses dürfen gerne mal andere Kunst-Geschütze aufgefahren werden. „Fußball ist eben ein Zeitphänomen und steht für globale Begeisterung. Das interessiert dann auch Kunstschaffende und fordert zur künstlerischen Beschäftigung heraus“, erklärt der Berliner Autor und Satiriker Thomas Brussig. Und der muss es ­wissen, hat er sich doch bereits in zwei ­Prosawerken („Leben bis Männer“, und „Schiedsrichter fertig“) der literarischen Rasenforschung auf seine Weise an­genähert und eröffnet diese Woche einen Literatur-Diskussionsschwerpunkt zu diesem Thema in Wien. Zum Erforschen gibt es, wenn es um die schönste Nebensache der Welt geht, derzeit allerdings mehr als den einschlägigen Buchmarkt, denn König Fußball hat das Zepter fest in der Hand und spült im Fahrwasser der EURO ’08 ein abwechslungsreiches Kulturprogramm an Land. Ausstellungen, Theater, Oper, Musik, Film, Fernsehen und Mode – es gibt fast nichts, was dieser Tage nicht im Zeichen des Balls steht und sich dem Thema aus unterschiedlichs­ten Perspektiven annähert.

Die Ausstellung „herz:rasen“ etwa, die das Technische Museum im Künstlerhaus zeigt. Interaktiv geht es darin zur Sache, und Besucher sollen animiert werden, in die Geschichte des Sports einzutauchen. Das richtige Üben von Schwalben oder Treffsicherheitstests sollen zeigen, ob das Talent zum Kickerstar in einem brachliegt. Zudem zeichnen auch Exponate wie historische Wuchteln oder Schuhwerk die Entwicklung des Ballspiels in Europa nach und verleihen der Ausstellung einen zeithistorischen Rahmen.
Und der öffentliche Raum wird in den Austragungsorten ohnehin zur Kunstzone erhoben. So widmet man den Wiener Donaukanal während der Europameisterschaft kurzerhand zur Kunstmeile um, der Karlsplatz wird zum Kunstplatz, und Ähnliches ist für stark frequentierte Plätze in Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt ge­plant.

Aber auch die Haute Couture lässt sich vom Sport inspirieren: „11 Meter Mode“ heißt eine Schau, die im Rahmen der Ausstellung „Modepalast“ die geschneiderten Interpretationen von elf Schweizer Designern zum Thema Fußball zeigt und darauf verweist, dass es vor allem am Kunstsektor immer wieder zum Doppelpassspiel der beiden Veranstaltungsländer kommt. Das kann sich, wie bei der „Literaten-EURO“ (6.–21. 5. vor dem Wiener Künstlerhaus­kino und am Sportklub-Platz) auch ausweiten. 40 Schriftsteller aus der Schweiz, Slowenien, Un­garn und Österreich treten nicht nur in literarischen Wettstreit, sondern messen bei einem Fußballturnier auch ihr ballesterisches Können.

Auffällig: Die Frauenquote ist bei nahezu allen Veranstaltungen kaum wahrnehmbar. „Frauen kommen meistens über die Nationalmannschaft zum Fußball und interessieren sich grundsätzlich mehr für die Formgebung der Männerbeine“, merkt Brussig diesbezüglich ironisch trocken an. Und das sei kein Klischee, so der Autor. Und auch der ORF lässt in seiner demnächst startenden Dokusoap „Das Match“, die zusammen mit dem SF produziert wird, die Männerdomäne Fußball Männerdomäne bleiben. Wiewohl Unterhaltungschef Edgar Böhm erörtert, dass sehr wohl an­gedacht wurde, Damen im Trainingslager im burgenländischen Bad Tatzmannsdorf mit zu ka­sernieren. Unter der Ägide von Hans Krankl, dem personifizierten Córdoba-Mythos, trainieren nun aber doch nur 20 heimische männliche Promis und Exsportler. Mit dabei sind neben den üblichen Verdächtigen aus dem erweiterten „Dancing Stars“-Cast (darunter Harry Prünster und Manuel Ortega) aber auch Besetzungsüberraschungen wie Dichter Franzobel oder Naked-Lunch-Frontman Oliver Welter, die sich eine Woche lang abmühen und in der Gefahr leben, von Trainingskollegen rausgewählt zu werden. Denn nur 17 der wackeren Mannen – so will es das Konzept – ziehen aufs Spielfeld ein und dürfen zuerst gegen ein österreichisches Altstar-Team und dann gegen eine Schweizer Promi-Selektion antreten. Fußball ist eben doch mehr als nur ein Sport.

Von Manfred Gram

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