Kultur: Schlingensief inszeniert Krieg an der Burg

Der Provokateur Christoph Schlingensief inszeniert am Burgtheater Elfriede Jelineks kühnes Irak-Kriegs-Drama „Bambiland“. Die Proben sind Zerreiß-Proben, die Risiken sind gewaltig. Premiere: 12. 12.

"Theater", sagt Christoph Schlingensief, "darf Krieg nicht nur wie sonst immer altklug nacherzählen. Theater muss selbst Krieg sein."

„Bambiland“ sei eine „Texthalde“, sagt Elfriede Jelinek, „aus dieser muss der Regisseur erst sein Stück bauen, und zwar jeder sein eigenes. Er muss mit bloßen Händen im Dreck wühlen, um eine windschiefe Sand- oder Schotterburg zu errichten.“

Burgtheater-Dramaturg Joachim Lux auf die Frage, ob Schlingensiefs Inszenierung des neuen Jelinek-Stücks „Bambiland“ womöglich seine bisher aufreibendste sei: „Das können Sie laut sagen!“

Schauspielerinnen warfen bereits das Handtuch. Dass Burgtheaterdirektor Klaus Bachler mit dieser Uraufführung (12. Dezember) nur haushoch gewinnen oder kellertief abstürzen kann, liegt bei dem unkalkulierbaren Projekt mit der riskanten personellen Konstellation – die beiden Burg-Aktricen Kirsten Dene und Dorothee Hartinger warfen bereits das Handtuch; dafür ist letzten Montag Hollywood-Akteur Udo Kier eingeflogen worden, um bei einem „Bambiland“-Film für die Theateraufführung mitzumachen – sozusagen in der Natur der Sache.

Zunächst das Stück. Das, wie so oft bei Jelinek, natürlich kein Stück ist, sondern eine 24-seitige „Textfläche, Textmaschine“, wie Joachim Lux das ausdrückt. Ohne Plot, ohne Figuren, ohne Rollen. (Ja, nicht einmal durch Absätze gegliedert). Für den Regisseur gleichwohl als ungeheuer suggestives und sprachmächtiges Material benützbar. „Jelinek“, so der Dramaturg, „setzte sich für ,Bambiland‘ vors Fernsehen, hängte sich ins Internet, um die Berichte über den Irak-Krieg zu notieren und diese dann einem quatschenden und quasselnden Bewusstsein in den Mund zu legen. Und dieses quatschende und quasselnde Bewusstsein kann nun von 17 oder drei oder auch nur einem Schauspieler artikuliert werden. Es kann aber auch nur eine Tonbandstimme sein, weil es sich bei dem Text letztlich um so etwas handelt wie das große Weltgemurmel und -gequatsche, das wir Tag für Tag medial konsumieren und wieder ausspucken.“

Um die Darstellung des weltumspannenden „Wartainments“ geht es Jelinek, die eine Brücke schlägt von Aischylos, der „als erster embedded journalist“ den Sieg der Hellenen über die Perser kommentierte, bis zu „CNN & Co KG“. Dass die streitbare Dichterin dabei nicht mit politischer Polemik spart – so werden Bush, Blair und Konsorten als kapitalistische Glücksritter beschrieben, die am Kriegsschauplatz „in fremdem Fleisch herumgearbeitet haben“ –, liegt auf der Hand.

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PLUS: Auszüge aus dem Irak-Kriegs-Stück „Bambiland“

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