Künstlerischer Leerlauf schadet Festspielen

„Schon bei Peter Ruzicka verkam die Reform zu einer Verbeugung gegenüber dem Zeitgeist.“

Als Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal 1920 die Salzburger Festspiele begründeten, verfolgten sie kein geringeres Ziel, als in dem durch Kriegserfahrung und Zerstörung der alten Ständewelt entstandenen Werte-Vakuum einen neuen Sinnbaldachin zu spannen. Alles, was versprach, weltbildstiftend zu wirken, wurde wild zusammengemixt. Seither muss sich das Gelingen dieses als „hohes Festspiel“ konzipierten Kultes des Schönen daran messen, ob er sich jenseits weltanschaulicher Irrationalitäten in einen Kult des Werkes überführen lässt. Sein Sinn zeigt sich daran, ob die unschätzbaren Privilegien der Festspielsituation – der Ausstattungsvorteil, die Außeralltäglichkeit, die Vergemeinschaftungsbereitschaft des Publikums, die prächtige Salzburger Kulisse – als Chancen einer gesteigerten Kunstwahrnehmung genutzt werden.

Als Gérard Mortier nach dem Tod Herbert von Karajans begann, das moderne Regietheater nach Salzburg zu holen, und Hans Landesmann die neue Musik ins „normale“ Konzertprogramm integrierte, war dies eine Erneuerung, der es um ästhetische Korrespondenzen ging. Schon bei Peter Ruzicka verkam die Reform zu einer Verbeugung gegenüber dem politisch korrekten Zeitgeist. Ob die Programmatik des neuen Festspielleiters Jürgen Flimm in Zukunft über bloße Konzeptbastelei hinausgehen wird, ist noch nicht ausgemacht.

Die heuer unter dem Motto „Die Nachtseite der Vernunft“ versammelten Werke haben unter ästhetischen Gesichtspunkten nicht viel gemein. Die von Falk Richter verpatzte „Freischütz“-Inszenierung, das poppige Spektakel, das der Videokünstler Philipp Stölzl aus Berlioz’ „Benvenuto Cellini“ gemacht hat, die in der Sphäre privatistischer Kalauer verharrenden „Kreationen“ und Uraufführungen („Molière. Eine Passion“, „Sauser aus Italien“ und „Requiem für eine Metamorphose“) – dieser künstlerische Leerlauf hat der diesjährigen Festspielsaison sicher mehr geschadet als die Häufung von Künstlerabsagen.

Elektroautos: Sauber, aber doch nicht ganz. Abgase und CO2-Ausstoß fallen Berechnungen deutscher Wissenschaftler zufolge bloß an anderer Stelle an.

Auto & Mobilität

ifo-Institut: CO2-Ausstoß von E-Autos höher als bei Diesel

Start-ups

Wiener Biotech-Start-up Hookipa geht an die US-Börse Nasdaq

Wirtschaft

Warum die Austro-Wirtschaft stärker wächst als die deutsche