Krise. 'Fischer' im Sturzflug

Beim letzten großen österreichischen Skiproduzenten Fischer brodelt es gewaltig: Die Umsätze brechen ein, der Verkauf des Flugzeugzulieferers FACC liegt auf Eis, und die Autosparte kommt nicht in die Gänge.

Ried im Innkreis, vergangenen Mittwoch: In der Fischerstraße 8, am Hauptsitz des gleichnamigen Skiproduzenten, herrscht angespannte Ruhe. Das gesamte Topmanagement des Konzerns befindet sich außer Haus. In der Bank-Austria-Niederlassung in Linz verhandelt es mit dem Geldinstitut und den anderen Gläubigerbanken über die Finanzierung der Gruppe. Fischer soll mit rund sechzig Millionen Euro bei den Banken in der Kreide stehen und akut Geld benötigen. „Die finanzielle Lage ist belastet“, gibt Florian Keiper-Knorr, Aufsichtsrats­chef der Fischer-Gruppe, offen zu. Die Atmosphäre im Gläubigerausschuss sei aber gut gewesen, sagen Beteiligte. Die Bankenvertreter werden die Ergebnisse der Gespräche ihren jeweiligen Vorständen vorlegen, die diese in den nächsten Wochen absegnen.
Das Fischer-Management erzielte vergangenen Mittwoch dennoch nur einen Etappensieg. Denn über den Berg ist das Unternehmen nicht: Fischer, das letzte Aushängeschild österreichischer Brettl­bauer – Head und Atomic wechselten schon längst in ausländischen Besitz –, kämpft derzeit ums Überleben: Trotz der boomenden Wintersaison läuft der Skiabsatz mehr als schleppend. Im vor wenigen Wochen abgeschlossenen Geschäftsjahr brach der Fischer-Sports-Umsatz um dreißig Prozent ein und erreichte nur mehr 137 Millionen Euro. Auch die anderen Sparten der Gruppe (siehe Grafik rechts) haben mit enormen Problemen zu kämpfen. Der Autozulieferer Fischer Composite Technology (FCT) schreibt Verluste, und der Verkauf des Flugzeugzulieferers Fischer Advanced Composite Components (FACC), der dringend benötigte Barmittel hätte bringen sollen, ist fürs Erste abgeblasen. Einziger Gewinnbringer mit gut einer Million Euro ist die Textilsparte Löffler.

Auf glattem Eis. Die Skiindustrie ist in der Krise, obwohl sich derzeit Hoteliers über neue Umsatzrekorde freuen. Denn mehr Geschäft im Wintertourismus bedeutet nicht automatisch mehr Skiabsatz (siehe Kasten S. 12). Sporthändler sitzen noch auf hohen Lagerbeständen aus dem viel zu warmen vorvergangenen Winter und be­stellten daher heuer kaum neue Modelle. Hinzu kommt, so Fischer-Sports-Chef Gregor Dietachmayr, dass „es nur auf den Berggipfeln weiß war, in Tälern und Städten die Kaufstimulanz aber gefehlt hat“. Bisher hatte man bei Fischer in durchschnittlichen Wintern mit einem Absatz­plus von fünf bis zehn Prozent rechnen können, „dieses Jahr waren es trotz guter Bedingungen nur maximal zwei Prozent“, ärgert sich Dietachmayr. Gemessen an den Wintern zuvor noch immer ein kapitales Minus. Bittere Folge: Die Sportsparte wird 2007 voraussichtlich 15 Mio. Euro Verlust einfahren. Und das, obwohl Fischer letzten Sommer ein umfassendes Restrukturierungsprogramm eingeleitet hat. Ein Teil der Produktion wurde damals in das ukrainische Werk in Mukatschewo verlagert, wo inzwischen 1.400 Mitarbeiter beschäftigt sind. Am Hauptsitz in Ried dagegen wurde der ­Personalstand um 200 auf nur mehr 600 Mitarbeiter eingedampft.

Langfristig will Fischer jedenfalls un­abhängiger vom winterlastigen Sportgeschäft werden. Daher lagerte er im Sommer vergangenen Jahres den Geschäftsbereich Autokomponenten in das jetzt eigenständige Unternehmen FCT aus, das ­Carbon-Teile an Audi, Porsche und Tuningfirmen wie Karmann und AMG liefert. Mittelfristig soll der Komponenten­fertiger nach der Sportsparte ein zweites, wichtiges Standbein der Gruppe werden. Trotz der gerade erst um 12 Millionen Euro errichteten Fertigungshalle dürfte das schwierig werden. Schon etablierte Be­triebe wie etwa Eybl International kämpfen derzeit mit der Marktmacht der Autokonzerne. Außerdem greifen Fahrzeug­bauer für Großserien lieber auf System­lieferanten zurück. Einem Neuling wie FCT fehlt es daher oft an Masse. Bei sieben Millionen Euro Umsatz 2007 fuhr FCT daher mehrere Millionen Euro Verlust ein. Dietachmayr: „Die Herausforderung im Geschäft mit Verbundkomponenten wie Carbon ist die Automatisierung der Produktionsabläufe.“

Und eben jene Umstellung von Klein- auf Großserien verschlingt Geld – viel Geld. Um bei der FCT massiv investieren zu können und die ausufernden Verluste in der Sportsparte auszugleichen, sollte der Fischer-Anteil am Flugzeugzulieferer FACC versilbert werden. Der Skihersteller besitzt 47,5 Prozent – genauso wie die Salinen Beteiligung GmbH, den Rest hält Geschäftsführer ­Walter Stephan. Kolportierte 100 Millionen Euro sollte FACC nach Abzug der ­Verbindlichkeiten den Gesellschaftern bringen. Ein Gesamtbetrag, den potenzielle Investoren offenbar nicht stemmen wollten, denn aktuell gilt der Verkauf als abgeblasen (siehe Androsch-Story ab Seite 30). Die Salinen, hinter denen mehrheitlich Hannes Androsch und die Raiffeisen-LB OÖ stehen, wollen nun via Kapitalerhöhung zehn Millionen Euro in das Unternehmen pumpen und FACC erst später veräußern. „Wir sind nicht in der Lage, die Eigen­kapitalbasis der FACC zu stärken. Wir wollen unsere Anteile abgeben“, so Aufsichtsratschef Keiper-Knorr. Doch wie soll das gehen? Laut Syndikatsvertrag muss Fischer seine FACC-Beteiligung zuerst den Salinen andienen. „Wir stehen natürlich in engem Kontakt“, bestätigt Keiper-Knorr.

Droht die Pleite? Die Fischer-Gruppe wird durch die Verluste und den schwierigen Verkaufsprozess zusehends in Bedrängnis gebracht. Denn zu allem Übel sollen bei FCT und FACC auch noch massive Ab­wertungen ins Haus stehen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es in Bankenkreisen, das Unternehmen habe Probleme, die aktuelle Bilanz zu erstellen und könnte in die Pleite schlittern. Davon will Keiper-Knorr nichts wissen: „Das ist völlig aus der Luft gegriffen, es droht sicher keine Insolvenz.“ Doch selbst wenn die Liquiditätslücken noch im letzten Moment geschlossen werden können: Sollten nicht bald reichlich Barmittel ins Unternehmen fließen, dürfte es zu weitreichenden Strategieänderungen kommen. Dann könnte das Unternehmen Fischer dort enden, wo es vor Jahrzehnten begann: als reiner Skiproduzent. Keiper-Knorr: „Fischer könnte sich noch stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren. Dazu kann ich nicht ausschließen, dass wir uns für FCT einen Partner an Bord holen.“

Von Arndt Müller, Barbara Nothegger

Wirtschaft

E-Bikes: Turbo für Handel und Hersteller

Kommentar
Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in Wien

Standpunkte

Christoph Kotanko: Neustart für Europas Betriebssystem

Wirtschaft

US-Präsident Donald Trump wirbelt an verschiedenen Fronten