Kreuzfahrten sind hoch im Kurs

Ob Riesendampfer oder luxuriöser Segler, Schiffsreisen locken mit exotischen Routen und Themen eine immer größere Zielgruppe an Bord.

Über Bord mit den Klischees: Der angestaubte Mief von Dollarmillionären, Erbtanten und greisen Bridgepar­tien gehört der Vergangenheit an. Heute tummelt sich auf den Ozean­riesen eine andere Klientel. Denn das An­gebot bestimmt die Nachfrage, und die großen internationalen Reedereien sor­gen mit innovativen Unterhaltungskonzepten für Kurzweil vor ständig wechselnder Kulisse. Das Gros der „schwimmenden Hotels“ bietet mehr Infrastruktur als so manche Kleinstadt: Golfplätze, Theater, Eislaufbahn, großzügige Well­ness­berei­che, Vinotheken, Pyjamas mit Monogramm, Meditationskurse und Casinos. Der Imagewechsel in den Köpfen der Kunden ist längst vollzogen und hat bei den Reedereien ein kapazitätsgetriebenes Marktwachstum ausgelöst.

Laut dem ECC (European Cruise Council) sind europaweit im vergangenen Jahr 3,4 Millionen Passagiere urlaubstechnisch in See gestochen; 2010 soll
die Fünf-Millionen-Grenze überschritten werden. In Österreich waren es im vergangenen Jahr immerhin 60.000 Passagiere, die einen Urlaub über Wasser einer Pauschalreise an Land vorzogen. Die heimischen Vertretungen internationaler An­bieter, wie Costa Kreuzfahrten, Carnival Cruise Line, Royal Caribbean, Hapag Lloyd, MSC oder AIDA Cruises, verzeichnen jährliche Zuwächse von bis zu 60 Prozent. „Den Erfolgskurs bestätigen die Zahlen: Heuer konnten wir bereits mit Ende Februar 85 Prozent unserer Umsatzvorgaben für 2008 erfüllen“, so Ulrike Soukop, Geschäftsführerin der Österreich-Niederlassung von Costa Kreuzfahrten (siehe auch Interview auf Seite 80). Insgesamt setzt die Kreuzfahrtindus­trie ein Volumen von 10,6 Milliarden Euro um. Während sich die Pauschalreise ständig auf veränderte Buchungsgewohnheiten, Katastrophen und Krisen einstellen muss, sind Kreuzfahrten im sicheren Hafen zuhause. Gebucht wird der Urlaub am Schiff bereits ein halbes Jahr, teilweise sogar ein Jahr im Voraus. Was die Kalkulationsmodelle der Reedereien wesentlich vereinfacht und dem Passagier bei rechtzeitiger Buchung bis zu 40 Prozent vom Reisepreis erspart.

Europas Werften sind führend. Über die steigende Nachfrage freuen sich vor allem die Werften. Bis 2012 werden 43 Kreuzfahrtschiffe mit einem Investitionsvolumen von rund 18,7 Milliarden Euro gebaut – die meisten davon in Europa. Manfred Jägersberger von Caravelle Seereisen vertritt in Österreich 14 Reedereien, darunter auch Royal Caribbean, die im finnischen Turku das erste Schiff der Genesis-Klasse bauen lässt. Ein „Megaliner“ mit 220.000 Bruttoregistertonnen und Platz für 5.400 Passagiere. „Bei großen Schiffen ist der Return on Investment bereits nach fünf Jahren er­reicht. Der Trend geht eindeutig Richtung Größe. Kreuzfahrten sind heute ein Massenmarkt“, erklärt Jägersberger. Bei In­vestitionsvolumen bis zu 600 Millionen Euro ist eine schnelle Amortisierung gefragt. Der technische Fortschritt trägt ebenfalls dazu bei, die Kosten zu senken. „Bei den alten Schiffen waren 30 Prozent des Personals in der Technik beschäftigt, heute sind es nur mehr 10 Prozent“, weiß der Kreuzfahrtexperte zu berichten.
Der Verdrängungswettbewerb läuft nach Größe, und Experte Carsten Sühring von Hapag Lloyd erwartet, dass sich Fünf-Sterne-Schiffe durchsetzen: „Die klassische Kreuzfahrt wird es in ein paar Jahren nicht mehr geben. Drei-Sterne-Schiffe, die Platz für 800 Passagiere bieten, können nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden.“ Trotzdem werden die kleinen Schiffe nicht ganz von der Bildfläche verschwinden. Bei Luxus im High-End-Be­reich geht immer noch Klasse vor Masse. Anbieter wie Star Clippers, SeaDream oder Sea Cloud Cruises werden auch in Zukunft mit kleinen Schiffen die Wellen teilen.

Themen und Entertainment. Neben En­tertainment und Sport finden auch immer wieder aktuelle Trends Eingang ins Bordprogramm. Die Kulinarik kommt auch mit Promi-Köchen zum Einsatz. Kochen mit Sarah Wiener wird etwa auf dem Flussschiff „River Cloud“ angeboten. Außerdem verfügt jede Bordküche über Angebote für Figurbewusste und Fitness­freaks. Das Programm auf den Hochsee-Segelschiffen wie der „Sea Cloud“ konzentriert sich auf authentischere Ansprü­che und bietet „Segeln pur mit einem Hauch von Luxus“, so Petra Quasdorf von der Hamburger Reederei Sea Cloud Cruises.

Beim europäischen Marktführer Costa Kreuzfahrten wird das Thema Wellness groß geschrieben. „Die „Samsara-Kabinen“ bieten einen direkten Zugang zum Spa-Bereich sowie zahlreiche Wellness­angebote inklusive und werden überdurchschnittlich nachgefragt“, fügt Ulrike Soukop an. Wer schon immer mal ei­nen Kapitän kennen lernen wollte, ist auf der „SeaDream“ bestens aufgehoben. Dinner am Tisch des Kapitäns war einmal, heute nimmt der erste Mann am Schiff vielmehr „Entertainmentfunktionen“ wahr. Bei der „SeaDream“ werden die Passagiere sogar vom Kapitän an Land geführt. Das nennt sich dann „Captain’s Walk“ und gilt als ultimativer Service.

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