Krankmacher Politik

Ausgebrannt, zu viel Arbeit, zu viel Stress und wenig Karrierechancen: Laut einer aktuellen Studie leiden Österreichs Abgeordnete unter ihrem Job.

Die Schmerzen: Jeder Zweite hat fast täglich starke Schmerzen – im Rücken, im Kopf oder auch im Magen-Darm-Trakt. Die Tabletten: Immerhin jeder Fünfte schluckt täglich Medikamente gegen seine Wehwehchen. Der Blutdruck: Bei zwanzig Prozent ist er entschieden zu hoch.

Österreichs Nationalrat – ein Lazarett?

Seit einiger Zeit schon beobachten Forscher der Universität Wien unter der Leitung des Psychologen Andreas Olbrich Treiben und Leiden der Abgeordneten zum österreichischen Nationalrat. Die Psychologen des Uni-Instituts verschickten Fragebögen an alle Mandatare, in denen anonym nach Gesundheitssituation, Belastung und Stressmanagement gefragt wurde. Die ersten beiden Zwischenberichte liegen FORMAT vor. Sie bringen ein erschreckendes Selbstbild der Abgeordneten zutage. Quer durch alle Fraktionen fühlen sich die Abgeordneten kränklich, äußerst belastet – und überfordert.

Albtraumberuf Politiker. So geben über sechzig Prozent der befragten Abgeordneten an, massive Anzeichen des Burn-out-Syndroms zu verspüren, und bewerten ihren Berufsstress auf einer Skala von null bis hundert mit einem Wert jenseits der siebzig. Dazu kommen chronische körperliche Beschwerden, Muskelverspannungen und Magen-Darm-Probleme.

Wahrscheinlich kommt das auch von der enormen Arbeitsleistung, die Politiker erbringen: Durchschnittlich 64 Stunden, so die Studie, arbeiten die Nationalräte ihren eigenen Angaben zufolge Woche für Woche. Alles in allem ähnlich wie bei Topmanagern, nur mit deutlich niedrigerem Gehalt. Für Rotraud Perner, neben ihrer bekannten Tätigkeit als Sexualtherapeutin auch anerkannte Stressforscherin, ist der Job eines Politikers deswegen „der gesundheitsschädigendste Beruf überhaupt.“
Der hohe Grad an „Ausgebranntsein“ (60,4 Prozent der befragten Parlamentarier geben dies an) zeigt vielleicht am deutlichsten, wie es um die Arbeitsfreude der Politiker tatsächlich bestellt ist. Untersuchungsleiter Olbrich ergänzt: „Die Mitglieder von Regierungsparteien sind sogar stärker burn-out-gefährdet als Oppositionspolitiker.“ Das klingt zunächst überraschend, weil es erstens mehr Regierungsabgeordnete gibt als Oppositionspolitiker und ÖVP und FPÖ zweitens auch auf die Mitarbeiterstäbe ihrer Fachminister zurückgreifen können. Doch andererseits kommt auf die Regierungsparteien deutlich mehr Arbeit zu als auf die Opposition, so Forscher Olbrich: „Dafür ist die Leistungsmotivation besser als bei der Opposition.“

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