Kraftwerkmodernisierung: A-Tec bekommt Großauftrag von Energieriesen Gazprom

Der börsennotierte Wiener Mischkonzern A-Tec Industries soll für den Moskauer Energieriesen Gazprom sieben Kraftwerke in Russland, darunter welche in Sibirien, modernisieren. Zwischen 300 und 400 Millionen Euro beträgt das Auftragsvolumen des Projekts, das in Kooperation mit einer russischen Partnergesellschaft realisiert werden soll. Mitte 2009 starten die drei Jahre dauernden Sanierungsarbeiten, berichtet das Magazin FORMAT in seiner morgen, Freitag, erscheinenden Ausgabe.

Zufrieden, nein, zufrieden ist Mir­ko Kovats nicht. Montagabend gegen 21.30 Uhr ließ der A-Tec-Vorstandsvorsitzende via Aussendung die Zahlen für das Geschäftsjahr 2007 veröffentlichen, die, wie er selbst gesteht, wenig An­lass zum Jubeln geben: Zwar stiegen die Erlöse um 48 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro, doch brach das Vorsteuerergebnis (EBT) des Mischkonzerns im Jahresvergleich um rund ein Drittel auf 49,2 Millionen ein. Der Konzernüberschuss ist gar von 80,3 auf 27,7 Millionen geschrumpft. „Leider“, wie Kovats einräumt. Künftig wol­le man es aber besser machen und härter arbeiten. So sollen lukrative Aufträge aus aller Welt der A-Tec-Aktie einen neuen Höhenflug bescheren und das Wachstum nachhaltig ankurbeln.

Hoffnungsmarkt Russland. Ähnlich wie Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner setzt Kovats dabei zunehmend auf das Land der Oligarchen. Laut FORMAT-Recherchen hat der 59-Jährige soeben einen profitablen Auftrag des Moskauer Energieriesen Gazprom an Land gezogen: Mit einem russischen Partner an Bord soll die A-Tec sieben Kraftwerke in Russland, darunter eines in Sibirien, modernisieren. Zwischen 300 und 400 Millionen Euro beträgt das Auftragsvolumen des prestigeträchtigen Projekts. Mitte 2009 starten die drei Jahre dauernden Sanierungsarbeiten. „Wir stehen kurz vor der Unterzeichnung der Verträge“, bestätigt Kovats auf Anfrage.

Wie aus Finanzkreisen verlautet , soll der umtriebige Unternehmer auch die Errichtung eines Energietechnikwerks westlich des Urals planen und bereits Gespräche über eine Kooperation mit einem russischen Oligarchen führen. Im Herbst dürfte der endgültige Standort feststehen, eine Milliarde Euro soll dort mit der Produktion von Maschinenkomponenten umgesetzt werden. Kovats hüllt sich über das ambitionierte Vorhaben in Schweigen und meint, Russland sei generell ein guter Boden für Geschäfte. Während der Wiener auf der Suche nach neuen Projekten auch durch Osteuropa und die Golfregion tourt, reißen hierzulande die Diskussionen um seinen umstrittenen Führungsstil nicht ab. Kritiker werfen dem Mehrheitseigentümer der A-Tec Industries (Maschinen- und Anlagenbau, Kupferverarbeitung, Umwelt- und Kraftwerkstechnik) zuweilen hohe Risikobereitschaft und unüberlegtes Handeln vor. „Kovats ist ein Zocker“, heißt es gemeinhin. „Er hat in viele Projekte investiert, aber nicht alle sind aufgegangen“, kommentiert etwa Meinl-Bank-Investmentchef Wolfgang Matejka.

Kontroversielle Bilanz. Doch obwohl die Vorjahreszahlen die Anleger enttäuschten, sind sie, so Erste-Bank-Analyst Gerald Walek, zu relativieren, da die A-Tec rund 29 Millionen Euro bei der Tochter Austria Antriebstechnik AG (ATB) abschreiben musste. „Ein Einmaleffekt“, wie Walek betont. Zudem wurde das Kupferwerk in Brixlegg erweitert, was zu Produktionsausfällen führte. „Brixlegg bleibt aber ein Groscherlgeschäft“, meint der Analyst. Der Grund dafür liege am Geschäfts­modell per se: In der Produktionsstätte wird aus Kupferschrott hochwertiges Kupfer erzeugt, woran wegen der geringen Margen wenig zu verdienen ist. Das erklärt auch das vehemente Interesse von Kovats, selbst Kupfererz zu verhütten, da hier die Spannen wesentlich höher liegen. Die vorläufige Niederlage im Rennen um die serbische Kupfermine RTB Bor will der In­dustrielle daher nicht zur Kenntnis nehmen und den Deal neu verhandeln.

Doch auch ohne die RTB geht es mit dem Konzern spürbar aufwärts. Tatsächlich lagen die Mitte Mai publizierten Quartalszahlen weit über den Erwartungen der Analysten: Der Umsatz schnellte um 72,9 Prozent auf 781,4 Millionen Euro nach oben, das EBT um 327,6 Prozent auf 32,5 Millionen. Analysten geben dem Papier erstmals wieder eine Chance auf ein – langsames – Comeback: Goldman Sachs hob das Kursziel nach Bekanntgabe der Quartalszahlen von 74 auf 77 Euro, die Deutsche Bank gar von 80 auf 88 Euro. „Die Auftragslage für das Gesamtjahr ist sehr gut“, sagt Kovats, für den ein erneuter Höhenflug des Titels nur eine Frage der Zeit ist. Zur Erinnerung: Bei Kursen über neunzig Euro startete das Papier ins Jahr 2008, mittlerweile ist es auf 64 Euro ab­gesackt. Damit notierte der Anteilsschein ein Drittel unter dem Emissionskurs vom Dezember 2006 und sogar zwei Drittel unter den Höchstständen vom Juni 2007.

Turbulente HV. Nicht zuletzt deshalb dürfte Mirko Kovats bei der Hauptversammlung (HV) am 27. Juni den Unmut seiner Aktionäre deutlich zu spüren be­kommen, zumal er auch keine Dividende ausschütten kann. „Die ist erst möglich, wenn unsere Eigenkapitalquote bei 20 Prozent liegt.“ Doch das könnte noch dauern, zumal die Kennzahl zu Jahresende 2007 nur knapp 14 Prozent erreichte. Die Tagesordnung der HV enthält unter anderem einen Punkt, der für die Zukunft der A-Tec entscheidend werden könnte: Kovats möchte sich auf dem Weg eines Vorrats­beschlusses eine Kapitalerhöhung um fünf­zig Prozent genehmigen lassen. Da­durch würde er, es sei denn, er ziehe bei der Kapitalerhöhung in vollem Ausmaß mit, die Mehrheit an der Gesellschaft verlieren. Kovats: „Die Mehrheit an der A-Tec ist für mich kein Dogma, auch mit weniger als fünfzig Prozent kann man ein starker Aktionär bleiben.“

Dieser Wunsch ist ihm bei der Norddeutschen Affinerie versagt geblieben. Ein Urteil des Kartellgerichts zwingt ihn bis August zum Verkauf seines Aktienpakets an der Kupferhütte. Wenigstens dürfte die A-Tec gut daran verdienen. Von ursprünglich 13,7 Prozent hält der Konzern immer noch neun Prozent (3,7 Millionen Aktien). Nach Analystenempfehlungen stieg der NA-Kurs diese Woche auf 33,4 Euro. Der Einstandskurs dürfte bei etwa 29 gelegen sein, was Kovats einige Millionen Körberl­geld einbringen wird. Kovats: „Die Verkaufsverhandlungen sind fast abgeschlossen. Die Ad-hoc-Meldung könnte jeden Tag kommen.“

Silvia Jelincic

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