Kompensatorische Kräfte in den USA sind stark genug

Die Bau-Indikatoren und die Preise auf den US-Immobilienmärkten brechen ein. Greift dies auch auf andere Branchen und Länder über?

Zweistellige Rückgangsraten bei Bauumsätzen und -aufträgen, drohende Pleitewelle bei Immobilienfinanzierern, verbunden mit steigenden Ausfallsraten von Hypothekarkrediten, üben starke Dämpfer auf die US-Konjunktur aus. Auch das Wort Rezession wird wieder in den Mund genommen.

Tatsache ist, dass der Immobilienmarkt in die Krise gerutscht ist und die US-Wirtschaft vom dynamischen Wachstumspfad weggeholt hat. Neben der Bauwirtschaft wird der private Konsum in Mitleidenschaft gezogen, da zuletzt viele Anschaffungen über Kredite finanziert wurden. Experten sprechen von 300 Mrd. US-Dollar ausfallsgefährdeter Hypothekarkredite. Klingt viel. Doch auf mehrere Jahre verteilt und teilweise durch Häuserverkäufe abgemildert, könnte der jährliche Schaden auf ein Zehntel des US-Wachstums für den Finanzsektor begrenzt bleiben. Und die Notenbank wird im Bedarfsfall mit Liquidität aushelfen. Kein Wunder, dass für die erste Jahreshälfte 2007 ein BIP-Wachstum von nur 1,8 Prozent realistisch erscheint.

Also doch kein Dominoeffekt in die weltweite Stagnation? Nein, weil selbst in den USA die kompensatorischen Kräfte ausreichen, um auf Wachstumskurs zu bleiben. So ist der Vermögenseffekt nur eine Größe für den privaten Konsum. Weit wichtiger ist, dass der US-Arbeitsmarkt bombenfest ist. Kaum verfügbare Arbeitskräfte lassen auch die Löhne stärker als zuletzt steigen. Die Unternehmen verdienen ausgezeichnet und haben in den nächsten Quartalen genug Reserven, um ihre Investitionen im Vergleich zum üppig sprudelnden Cashflow zu erhöhen. Zudem boomen die US-Exporte dank fester Auslandskonjunktur.

Die Konjunktursignale in Europa und Asien befinden sich
im grünen Bereich. Die Korrelation mit dem US-Wachstum wird ausnahmsweise negativ, weil die Binnennachfrage und nicht Exporte zum Motor warmlaufen. Mit der Wachstumsmaschine Osteuropa im Rücken, stärkerer Marktverflechtung mit den boomenden Staaten Asiens und einer anhaltend hohen Investitionstätigkeit der Unternehmen sollte der Aufschwung 2007 nicht viel Dynamik verlieren.

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Kommentar
Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in Wien

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