Klinsmann’sche Konsequenz für Österreich

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland war ein voller Erfolg. Was lernt Österreich als EM-2008-Veranstalter davon?

Vor etwa einem halben Jahr schrieb ich hier: Deutschland soll Fußball-Weltmeister 2006 werden. Das tat ich nicht auf der Suche nach neuen Feinden im germanophoben Österreich, sondern aus drei wohlüberlegten Ideen: Die europäische Wirtschaft würde davon profitieren, Jürgen Klinsmann könnte mit seiner von den Funktionären wenig geschätzten Arbeit neue Standards setzen – und vielleicht könnten wir von erfolgreichen Deutschen auch noch etwas lernen.
Ein halbes Jahr später ist der Erfolg der Deutschen noch größer: Sie wurden zwar nicht die Nummer 1 im Fußball, schafften aber viel mehr. Die lange Zeit Klinsmann-kritische Boulevardpresse ernannte seine Jungs zu „Weltmeistern der Herzen“, und noch überraschender: Die trockene Tageszeitung „Die Welt“ titelte am Montag: „Deutschland genießt sich.“ Das hatte den Deutschen bisher noch niemand vorgeworfen – dass sie genießen können, und dann auch noch sich selbst.

Das alles hat wenig mit Fußball, aber sehr viel mit einer Nation auf der Suche nach sich selbst zu tun. Ein Volk, das sich Nationalstolz aus Rücksicht auf die eigene Geschichte so lange verboten hat, erlebt plötzlich, dass gemeinsame Herkunft und gemeinsame Zukunft emotional wieder verbinden dürfen.

Was können wir für 2008 daraus lernen? Eine ganze Menge. Wir sind zwar ganz groß im Feiern, wenn Hermann Maier und Co schneller sind als der Rest der Welt, aber am nächsten Tag todtraurig, wenn irgendjemand an der Fairness oder der Fähigkeit unserer Sportler zweifelt. Ein Selbstbewusstsein, das nicht zwischen Größenwahn und dem Verdacht auf Verschwörungen gegen unser kleines Land schwankt, würde schon gut zu uns passen. Unser Teamchef sollte mit Klinsmann’scher Konsequenz seinen Weg gehen, ohne auf die vielen Besserwisser im Verband und auf den Sportseiten zu hören; und den jungen Fußballern sollte er einen heftigen Tritt ins Hinterteil versetzen, damit sie in härteren Ligen als der unseren internationale Erfahrung sammeln.

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