Klestil-Löffler im FORMAT: Will politische Karriere "nicht ausschließen"

In einem Interview mit aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins FORMAT will Margot Klestil-Löffler, die Frau des Bundespräsidenten, eine politische Karriere für sich nicht ausschließen. Sie habe zwar noch nicht darüber nachgedacht, aber "ausschließen kann man das nie". Sie könne sich etwa vorstellen, "überparteiliche Bezirksrätin in Ottakring" zu werden. Politisch interessiert sei sie in jedem Fall - schließlich habe sie sich als Frau des Präsidenten über viele politische Themen den Kopf zerbrochen.

Weiters meint Löffler, dass die Frage Mann oder Frau bei der Bundespräsidentenwahl keine Rolle spielen dürfe, es komme ausschließlich auf die "Qualifikation und charakterliche Eignung" der Kandidaten an. Kritik übt Löffler-Klestil an der Frauenförderung im Außenamt. Frauen haben zwar die gleichen Karrierechancen, aber dennoch ist der Frauenanteil bei Spitzenfunktionen gering. Löffler: "Wir haben sicher noch einiges zu tun."

Interviewtext:

Format: Frau Klestil- Löffler, Sie nahmen während des Staatsbesuchs im Iran hochpolitische Termine wahr, etwa mit Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi. Das war weniger Damenprogramm, sondern hohe Politik.

Klestil-Löffler: Das Treffen mit Shirin Ebadi war mein ausdrücklicher Wunsch.

Format: Und es spiegelt Ihr politisches Selbstverständnis als First Lady wieder.

Klestil-Löffler: Ich bin eine berufstätige Frau und wollte das auch immer bleiben. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich mich mit politischen und außenpolitischen Fragen beschäftige. Daher ist jede Reise, die ich mit meinem Mann unternehmen kann, eine Bereicherung meiner beruflichen Tätigkeit. Und gerade im Iran ist jede Frage eine politische. Jeder Besuch wird zur Geste. Im Übrigen bin ich die Frau des Bundespräsidenten, und nicht die First Lady.

Format: Sie mögen den Begriff First Lady nicht? Er paßt doch zu Ihnen und dem Stellenwert, den Sie in der österreichischen Öffentlichkeit haben.

Klestil-Löffler: Aber es gibt im Unterschied zu anderen Ländern das Amt der First Lady in Österreich nicht.

Format: Wie werden Sie den gerne genannt? Frau Präsident?

Klestil-Löffler: Ich bin die Frau Doktor Klestil-Löffler. Nicht mehr und nicht weniger.

Format: Auch damit - Sie haben Ihren Mädchennamen behalten - haben Sie die Rolle der Frau des Präsidenten neu definiert.

Klestil-Löffler: Ich spiele keine Rolle. Ich bin, wie ich bin. Für mich war es eben immer klar, dass ich meinen Beruf weiter ausübe, auch wenn ich heirate. Außerdem ist es für den Ehemann auch nicht von Nachteil, wenn die Frau berufstätig ist.

Format: Wie politisch darf die Frau des Bundespräsidenten sein?

Klestil-Löffler: Das kommt immer auf die Frau selbst an. Politischer Verstand kann nicht schaden. Aber man kann nicht lernen, ein politischer Mensch zu sein. Entweder man ist es, oder man ist es nicht. Ich bin sicherlich politisch interessiert.

Format: Sie scheuen auch nicht vor Kritik an der Sozialpolitik zurück?

Klestil-Löffler: Sozialpolitische Fragen betreffen einen jeden von uns. Ich halte vor allem die steigende Jugendarbeitslosigkeit für das brennendste Problem, mit dem sich die Politik beschäftigen muss. Über solche Themen darf sich doch auch die Frau des Bundespräsidenten den Kopf zerbrechen.

Format: Können Sie sich selbst eine politische Karriere vorstellen?

Klestil-Löffler: Ich habe noch nicht darüber nachgedacht.

Format: Aber ausschließen würden Sie es nicht?

Klestil-Löffler: Ausschließen kann man das nie.

Format: Gehören Sie einer Partei an?

Klestil-Löffler: Nein, ich habe nie und gehöre auch jetzt keiner politischen Partei an.

Format: Haben Sie ein politisches Vorbild?

Klestil-Löffler: Ich besuche sehr viele soziale Einrichtungen. Vorbilder sind für mich Menschen, die ihr Leben der Fürsorge Anderer widmen, Pflegerinnen und Pfleger, Krankenschwestern, die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer. Das sind die Heldinnen und Helden des Alltags. Ohne sie wäre das soziale Netz in unserem Land sicher nicht mehr so tragfähig.

Format: Welche politische Tätigkeit könnten Sie sich vorstellen?

Klestil-Löffler: Vielleicht werde ich einmal die erste parteiunabhängige Bezirksrätin in Ottakring?

Format: Ihr Karriereverlauf würde Sie für ganz andere Ämter qualifizieren.

Klestil-Löffler: Wie Sie meinen; Ich habe - wie gesagt - noch nicht darüber nachgedacht.

Format: Den Umgang mit Öffentlichkeit sind sie jedenfalls gewöhnt. Zeitweise interessieren sich die Medien mehr für Sie als für Ihren Mann. Stört sie das?

Klestil-Löffler: Jeder Mensch hat das Recht auf die Wahrung seiner Privatsphäre und seines Privatlebens, auch Politiker und deren Angehörige. Das sollte respektiert werden. Ganz abgesehen davon, dass eine Rückzugsmöglichkeit auch für die Erholung vom anstrengenden Alltag wesentlich ist. Das gilt für Politiker, wie für Nichtpolitiker.

Format: Sie würden also nie eine Homestory zulassen?

Klestil-Löffler: Ich bin gegen Homestories.

Format: Aber das ist doch ein gutes Mittel, um Volksnähe zu zeigen?

Klestil-Löffler: Es geht nicht darum, Volksnähe zu zeigen, sondern volksnah zu sein.

Format: Im gerade beginnenden Präsidentschaftswahlkampf werben aber beide Kandidaten mit ihren privaten Verhältnissen.

Klestil-Löffler: Es zählt ausschließlich die Qualifikation und die charakterliche Eignung der Kandidaten selbst.

Format: Was meinen Sie mit charakterlichen Eigenschaften?

Klestil-Löffler: Das würde den Rahmen unseres Gesprächs sprengen. Ich werde sicherlich keine Kriterien für die Eignung für das Amt des Bundespräsidenten aufstellen.

Format: Wissen Sie schon, wen sie am 25. April wählen?

Klestil-Löffler: Ich werde es Ihnen nicht sagen.

Format: Dann frage ich so: Ist Österreich reif für die erste Frau im Staat?

Klestil-Löffler: Darum geht es nicht. Mann oder Frau - das darf keine Rolle spielen. Wie ich schon sagte, es geht um Qualifikation und charakterliche Eignung und nicht um das Geschlecht der Kandidaten.

Format: Welche Qualifikation und charakterliche Eignung muss denn der Partner des zukünftigen Hofburg-Bewohners haben?

Klestil-Löffler: Zuhören können.

Format: Es heißt, Sie hätten mehr Einfluß als die angestellten politischen Berater des Präsidenten. Zurecht?

Klestil-Löffler: Man spricht miteinander, diskutiert und tauscht Gedanken aus. Das ist wie in jeder anderen Ehe auch. Es ist normaler, als manche vielleicht denken. Sie reden doch auch mit Ihrem Partner über Berufliches und Privates, nicht wahr?

Format: Das Frauenargument spielt im Präsidentschaftwahlkampf eine große Rolle. Unter Ferreo-Waldner gibt es im Außenamt keine einzige weibliche Sektionschefin.

Klestil-Löffler: Wir haben Abteilungsleiterinnen, auch eine Sektionsleiterin, die jetzt Botschafterin in Washington ist. Ich würde sagen, dass die Karrierechancen für Männer und Frauen gleich sind. Ich habe mich nie benachteiligt gefühlt. Aber in Summe haben wir sicher noch einiges zu tun, beziehungsweise anders ausgedrückt: Man kann sich nie genug für die Förderung und Gleichbehandlung von Frauen einsetzen.

Format: Auch Sie könnten jetzt, nachdem die Amtszeit Ihres Mannes zu ende geht, jederzeit Karriere machen. Sie könnten etwa Botschafterin werden.

Klestil-Löffler: Ich bin froh, dass sich andere über mich Gedanken machen, bevor ich es mache. Aber mein Mann und ich haben wirklich noch nicht darüber nachgedacht. Darüber reden wir in Ruhe nach dem 8. Juli.

Format: Ihr Mann ist dann nicht mehr erster Mann im Staat, sondern einfacher Pensionist. Das macht einen gewaltigen Unterschied.

Klestil-Löffler: Nein, für mich nicht. Außer, dass wir hoffentlich mehr Zeit füreinander haben.

Format: Haben Sie einen Ratschlag für ihren oder ihre Nachfolgerin?

Klestil-Löffler: Nein, und auch keine Warnung.

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