Keynes-Rezepte dominieren den US-Wahlkampf

„Keynes vermochte zu zeigen, dass Erwartungen Einfluss auf die Höhe von Investitionen haben.“

John Maynard Keynes ist und bleibt einer der (ins­gesamt höchstens) zwei Dutzend bedeutendsten Ökonomen, die es je gab. Die Frage nach seiner Aktualität bezieht sich, wenn sie heutzutage anlässlich seines 125. Geburtstages gestellt wird, vornehmlich auf sein Hauptwerk „The General Theory of Employment, Interest and Money“ aus dem Jahre 1936.
Die Antwort muss lauten: Die Aktualität von Keynes war seit dem Erscheinen dieses Buches nicht immer – und schon gar nicht ohne Unterbrechung – ganz so groß, wie er selbst es in der Wirtschaftsdepression der 1930er-Jahre erwartet hatte. Trotzdem ist Keynes seit dem Jahr 2000 wieder ganz und gar „angesagt“, und zwar weltweit, in den unterschiedlichsten Volkswirtschaften.
Auch im US-amerikanischen Wahlkampf des Jahres 2008 dominieren in der Wirtschaftspolitik die von Keynes entlehnten oder zumindest an ihn angelehnten wirtschaftspolitischen Rezepte.

Seit Adam Smith (1776) hatte gegolten, dass aus der Gesamtsumme des Einkommens auch die zunächst gesparten Mittel immer voll verbraucht werden, nämlich in Form von Investitionen, die ihrerseits durch den Umfang dieser Sparmittel limitiert sind. Keynes hingegen vermochte zu zeigen, dass in Wirtschaftsphasen, in denen Vermögenswertverluste drohen, die Er­wartungen der Investoren darüber bestimmen, in welcher Höhe überhaupt Ersparnisse verwirklicht werden. Somit nehmen diese Erwartungen entscheidenden Einfluss auf die Höhe der Investitionen und damit auf den Beschäftigungsgrad der Wirtschaft. Gegenwärtig werden zwei Drittel der überschüssigen Ersparnisse der ganzen Welt in die Vereinigten Staaten transferiert. Dort aber werden sie hauptsächlich konsumiert statt inves­tiert. Auf diese Weise bleibt das Sparen ohne längerfristigen Gegenwert.
Wie lange noch? Eine Frage, die auch den bedeutendsten US-amerikanischen Keynesianer plagt, nämlich Alan Greenspan.

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