Kassen müssen ihre Strukturen der Zeit anpassen

„Gesundheits-leistun­gen werden künftig wohl grenzüberschreitend erbracht werden.“

Im Rahmen der Diskussion um die Liquiditätsprobleme der Gebietskrankenkassen erscheint eine umfassendere Sichtweise angebracht, als in der mittlerweile im Schatten der jüngsten Ereignisse verblassenden Gesundheitsreform angedacht war. Zum Ersten wird gerne vergessen, dass die Krankenkassen rund 45 Prozent der Endkosten (ohne Nebenkosten) der Fondsspitäler bestreiten. Daher ist die Ausnutzung der Effizienzpotenziale im Spitalswesen auch für die Entlastung der Kassen wichtig.

Zum Zweiten ist unbestritten, dass die Kassen ihre Strukturen an die heutige Zeit anpassen müssen. Während vor 50 Jahren ohne Computer und Internet eine enge Verbindung von Beruf oder Region zum Versicherten die Verwaltungsfähigkeit sicherstellte, können heute Daten in Sekundenbruchteilen zwischen Vorarlberg und Wien fließen, und Gesundheitsleistungen werden künftig wohl auch grenzüberschreitend erbracht werden. Es muss also schlicht in anderen Kategorien gedacht und geplant werden, was ergo mehr Zusammenarbeit erfordert. Gerade in einem System der Pflichtversicherung gibt es jedoch zunächst wenig Anreize von außen, solche Anpassungen vorzunehmen, und die Fähigkeit zur Reform aus eigener Kraft wird daher zu einem wichtigen Prüfstein für die Sozialversicherung. Ohne Reformen können Liquiditätsprobleme zur Ungleichbehandlung von Pflichtversicherten einiger Kassen innerhalb der So­zialversicherung führen, die genau solches verhindern will.

Drittens wird im Reformzusammenhang gerne der „Systemwechsel“ zu einem steuerfinanzierten Gesundheitswesen be­müht. Dieser scharfe Systemunterschied zur Sozialversicherung liegt aber in der Praxis kaum vor. Tatsächlich sind es Detail­regelungen und nicht die Herkunft der Mittel, die internationale Gesundheitssysteme unterscheiden. Auch rund 31 Prozent der österreichischen Gesundheitsausgaben sind aus Steuermitteln finanziert. Diese könnten aber anstatt mit geringer Anreizwirkung direkt in die Spitäler verstärkt an die Sozialver­sicherung fließen und diese zum strategischen Einkäufer für den Versicherten machen – wenn sie beweist, dass sie sich strukturell weiterentwickeln kann.

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