Karriere killt Liebe

Karriere killt Liebe
Karriere killt Liebe

Liebe, Lust und Ehebett. Beziehungen von Durchstartern, Aufsteigern, Unternehmern und Managern sind zumeist außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt. Das Scheitern ist oft programmiert. Wie eine Balance zwischen Karriere und Liebe gefunden werden kann, beschreibt FORMAT-Autor Michael Schmitz.

Prolog: Der Fall Roland L. Er hat seine eigene Firma. Er bietet einen smarten Internetservice an. Er ist sein eigener Chef. Aber Roland findet, er sei auch „Mädchen für alles“. Er kümmert sich um jeden Arbeitsbereich, trifft die meisten Entscheidungen selbst, auch wenn es um die Anschaffung von Büromaterial geht. „Ist ja mein Geld.“

Er ist CEO, Chief Operating Officer und oberster Akquisiteur in einem. Wenn er nach Hause kommt, sind dort schon alle Lichter aus. Seine Frau und seine kleine Tochter sieht er unter der Woche morgens bei einer Tasse Kaffee, wenn er von der Arbeit kommt, schlafen sie schon. Roland schläft dagegen viel am Wochenende.

Viel Zeit für seine Tochter hat er nicht. „Wenn, ist das aber wirklich Quality Time.“ Meint er. Seine Frau sieht das anders. Als besonders qualitativ betrachtet sie auch nicht die Zeit, die er mit ihr verbringt. „Roland ist mit seinen Gedanken ständig woanders, nur nicht bei mir. Oft merkt er gar nicht, wenn ich ihn anspreche“, klagt sie. Angeblich will Roland das ja „nur noch fünf Jahre so machen und dann den Laden verkaufen“. Und dann? „Vielleicht ein neues Unternehmen gründen.“

Für Unternehmer und Manager sind 60, 70 Wochenstunden Arbeitszeit nichts Außergewöhnliches. Auch Anwälte, Ärzte, Küchenchefs, Journalisten, Managementberater arbeiten mit hohem Aufwand.

Die Themen, die ihn im Job beschäftigen, nimmt ein Manager oft in Gedanken mit nach Hause. Sie beschäftigen ihn auch dort. Herrscht ein Gefühl vor, laufende Aufgaben noch nicht gut genug abgearbeitet und neue nicht ausreichend vorbereitet zu haben, gelingt es nicht, auszuspannen, sich auf etwas anderes und auf jemand anderen richtig einzulassen.

Solche Belastungen machen fahrig und unaufmerksam. Partner, Freunde, Kinder merken, wenn einer zwar da, aber doch nicht ganz dabei ist, nicht richtig hinhört, vieles nicht mitkriegt oder schnell wieder vergisst, sich ausklinkt oder unwillkürlich ins Monologisieren verfällt.

Wer vorwärtskommen will, muss auffallen. Ohne aufzufallen, wird niemand entdeckt. Wer Karriere machen will, muss sich in Szene setzen und gegen andere in Position bringen. Unter ständigem Konkurrenzdruck. Trotz allem Teamgerede. Er muss andauernd bereit sein, in neue Projekte einzusteigen und zusätzliche Aufgaben zu übernehmen, klaglos Überstunden zu leisten, immer wieder die „Extrameile“ zu gehen. Besser noch: zu sprinten! Er darf sich nicht scheuen vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Machtkämpfen. Nichts darf wichtiger sein als der Beruf. Wer Ausnahmen beansprucht, ist schneller angezählt, als er arglos meint.

Karriere killt Liebe – nicht zwangsläufig, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit. Wenn man nicht aufpasst. Unmerklicher und schneller, als ambitionierte Durchstarter es wahrhaben wollen.

Zur Person
Michael Schmitz ist Professor für Psychologie und Management an der Lauder Business School sowie Coach für Führungskräfte und Führungsteams. Der regelmäßige FORMAT-Autor hat nun gemeinsam mit seiner Frau, einer renommierten Psychiaterin, ein Buch über Beziehungen geschrieben. Bei den im Text angeführten Beispielen handelt es sich um echte Fälle.

Lesen Sie die ganze Geschichte in FORMAT Nr. 23/2015
Zum Inhaltsverzeichnis und Download

Geld

Mieten wieder deutlich gestiegen

Geld

Apple verliert auf die Schnelle 50 Milliarden

Nach der Wahl: Angela Merkel wird deutsche Bundeskanzlerin bleiben, der Einzug der AfD in den Bundestag bereitet allgemein Sorgen.

Politik

Deutschland: AfD-Wahlerfolg ein Schock für die Wirtschaft