Karl Wlaschek im Interview

Der 85jährige Billa-Gründer spricht über sein bewegtes Leben, wie er seine Milliarden investiert, was seine künftigen Pläne sind und warum er seinen Ferrari nie mochte.

Format: Herr Wlaschek, Sie geben seit neuestem den Nobelgastronom. Haben Sie im Alter Ihre Liebe zum Gastgewerbe entdeckt?

Wlaschek: Ich hatte schon vor dreißig Jahren fünf eigene Restaurants. Die Idee kam mir 1977 bei einer Greißlertagung des Migros-Konzerns in der Schweiz, wo es um Selbstbedienungsrestaurants ging. Ich fuhr nach Hause und eröffnete gleich ein paar Billaterias. Aber die können Sie ja nicht kennen, da lagen Sie noch in den Windeln.

Format: Und mit 85 Jahren tun Sie sich den Gourmettempel Daun-Kinsky, das Café Central und einen neuen Cateringservice an?

Wlaschek: Ich tue mir gar nichts mehr an. Dafür beschäftige ich ja achtzig Leute. Selber gehe ich nur dreimal in der Woche essen – auf ein Einsermenü ins Central.

Format: Werden Sie im renovierten Café Central auch selbst Klavier spielen?

Wlaschek (lacht): Ich habe doch eigentlich seit fünfzig Jahren nicht mehr richtig geübt.

Format: Sie hatten aber erst vor kurzem einen privaten Auftritt.

Wlaschek: Das ist richtig. Ich habe den Ottakringer-Chef, den Engelbert Wenckheim, und seine Frau zu ihrem vierzigsten Hochzeitstag ins Palais Kinsky eingeladen. Das Palais Kinsky ist mir das liebste von allen. Nachdem ich den Billa-Konzern verkauft habe, war es das erste Palais, das ich erworben habe. Noch dazu habe ich es zum halben Preis bekommen.

Format: Ein sogenanntes Schnäppchen?

Wlaschek: Natürlich. Ich bin ja aus dem Lebensmittelhandel gewohnt, Rabatte zu bekommen. Das Kinsky hat damals 300 Millionen Schilling gekostet, und die Hypo Bank hat es mir schlußendlich um 150 Millionen verkauft. Allerdings habe ich dann noch 200 Millionen in die Restaurierung investiert.

Format: Danach sind Sie offenbar auf den Geschmack gekommen?

Wlaschek: Wir haben erst kürzlich nachgezählt und sind auf zehn Palais gekommen, die uns gehören. Neun in Wien und das Trautmannsdorf in Graz.

Format: Insgesamt wird Ihr Immobilienimperium auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt, mehr als 20 Milliarden Schilling, weil Sie ja lieber die alte Währung haben.

Wlaschek: Es ist sehr viel, aber das sage ich nicht gern. Das Palais Ferstel hat 350 Millionen Schilling gekostet und die Börsengebäude etwa 780 Millionen Schilling inklusive Investitionen.

Format: Sie hatten immer schon einen besonderen Hang zu Immobilien?

Wlaschek: Ich bin zwar mit der Greißlerei wohlhabend geworden, habe aber nie vom Billa-Konzern gelebt, sondern immer von den Realitäten. Das ist eine lustige Finanzstory. Ich habe die Grundstücke gekauft, auch die Filialen gebaut und habe dann als Privatmann Miete für die Filialen von Billa kassiert.

Format: Beobachten Sie jetzt, wo man Sie statt als Mister Billa als Palaiskaiser tituliert, noch ab und zu die Entwicklung von Billa?

Wlaschek: Jetzt bin ich schon ein Kaiser, da schau her, Franz Joseph, schau owa … Nein, ich befasse mich nicht viel mit dem Lebensmittelhandel. Außer daß ich einmal zum Meinl am Graben und einmal zum Billa in der Singerstraße einkaufen gehe. Ich schlage aber alle Tage ein Kreuz, daß ich das alles verkauft habe. Ich habe mich sozusagen kleingedient.

Format: Wie meinen Sie das?

Wlaschek: Ich habe die damals bei Billa beschäftigen 22.000 Mitarbeiter gegen zehn eingetauscht, die heute meine Geschäfte erledigen. Alle die Immobilien in meinen drei Privatstiftungen managen die tüchtigen Herren Deichstätter und Mitterdorfer.

Format: Denken Sie daran, auch im Ausland Liegenschaften zu erwerben?

Wlaschek: Nein. Ich bin in Wien geboren, bin in Wien verliebt, lebe in Wien. Sollte das Atomkraftwerk Temelin einmal explodieren, lebe ich hoffentlich nicht mehr.

Interview: G. Schnabel

Das ganze Interview lesen Sie im neuen FORMAT.

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