Kanzler oder Pensionist

2006 wird Schüssels Schicksalsjahr: Erst ist er als EU-Ratspräsident gefordert, dann schlägt er die Wahl seines Lebens. Kann er Kanzler bleiben?

Die letzten Tage des Jahres 2005 wird Bundeskanzler Wolfgang Schüssel so verbringen, wie er es gewohnt ist: mit einem ruhigen Weihnachtsfest im Familienkreis und ein paar Tagen zum Ausspannen.
Dann geht es los in seinem Schicksalsjahr. Ab 1. Jänner wird er als neuer EU-Ratspräsident sechs Monate der Union vorstehen. Der Kanzler will als „ehrlicher Makler Europas“ punkten. Nach Ende des Vorsitzes steht die wichtigste Wahl seiner Karriere, die Nationalratswahl im Oktober, an. Da entscheidet sich sein weiterer beruflicher Werdegang. Alles läuft auf die zugespitzte Frage hinaus: Kanzler oder Pensionist?

Zumindest die Demoskopen sehen eher den Rentier Schüssel. 42 zu 36 steht es derzeit in den Umfragen für die SPÖ. Laut dieswöchiger OGM-Umfrage für FORMAT glauben auch 55 Prozent der Österreicher, dass jemand anderer als Wolfgang Schüssel nach der nächsten Wahl am Ballhausplatz residieren wird.

In der Frage der Kanzlerdirektwahl führt Schüssel zwar mit 29 Prozent vor SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer mit 23 Prozent. Aber das sind eher schlechte Werte für einen amtierenden Regierungschef.

Die Ausgangslage könnte also besser sein. Selbst VP-nahe Demoskopen wie Fessel-GfK-Forscher Peter Ulram sind zurückhaltend. „Angesichts der Kombination aus populistischen Attacken, schwächelndem Regierungspartner und diffusem Verdruss wird es Schüssel nicht einfach haben“, so Ulram zu FORMAT.

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