K-Wort als inflationäres Modewort

„Es gälte, Prävention und Problembewusstsein gegenüber der alleinigen Repression zu stärken.“

Eines scheint nun auch bei uns zu dämmern: Es gibt sie nicht, die Insel der Seligen. Das „K-Wort“, bis vor kurzem noch fernes Fremdwort, metamorphiert dabei zum inflationären Modewort: zuerst nirgends, zuletzt immer und überall. Was ein Externer angesichts der tages­politischen Aufregungen der letzten Wochen auf die Ausgangsfragestellung antworten würde? Liebe Leut’, so leider nicht. Wie aber dann? Literatur und Praxis zeigen Alternativen: Essenziell erscheint insbesondere eine Ent­tabuisierung auf breitester Ebene, in potenziell aktiver und passiver Betroffenheit. Dies umso mehr, als von einem soziologischen und nicht – un­zulässigerweise reduktionistisch – von einem kriminologischen Phänomen zu sprechen ist. Die Gesetze sind gut genug, marktschreierische Rufe nach einer verschärfenden Legislative delegierende Flucht in vermeintliche Nichtbetroffenheit.

Äquidistanz zu Verschwörungshysterie und indolenter Ignoranz, neue Sachlichkeit täten ebenso not. Neue Sachlichkeit wäre auch den politischen und journalistischen ­Eliten angeraten, trotz geradezu erotischer Versuchung zu eigen­nütziger Instrumentalisierung und tagesaktueller Skandalisierung.
Detto gälte es, Prävention und Problembewusstseins­machung gegenüber der alleinigen Repression zu stärken. Da Korruptionsdurchdringung oder -resistenz einer Gesellschaft sich in der konstituierenden Matrix dieser Gesellschaft wiederfinden, gibt es auch keine Patentrezepte für die Kulturfrage Korruption. Vor solch rattenfängerischem Flöten ist zu warnen. Vielmehr ist mit dem Paradoxon zu konfrontieren, dass verstärkte Korruptionsbekämpfung einhergeht mit schlechteren Wahrnehmungswerten. Wenig genützt wäre uns allen bei Nichtbeachtung dieser Vorgaben. Der Soziologe Christian Höffling beschreibt solch Sze­na­rio als „,Realität eigener Art‘ inklusive durchgängiger Morbiditäts-Metaphorik des Diskurses“. Oder: Wenn sich der schwere Staub skandalschwangerer Stimmungen und Verstimmungen legt, wird wenig mehr geblieben sein als kollaterale Schäden an den Institutionen. Und am Thema.

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