Jörg Dräger: "Wir dürfen uns nicht kolonialisieren lassen“

Jörg Dräger: "Wir dürfen uns nicht kolonialisieren lassen“

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung

Vorstand der Bertelsmann Stiftung, spricht im FORMAT-Interview über die Digitalisierung der Bildung: Ein Weckruf an die Bildungspolitik

Der Algorithmus wird auch den Bildungsbereich fundamental verändern. Was Bertelsmann-Manager Jörg Dräger auf Einladung von Staatsekretär Harald Mahrer am 8. Oktober in Wien zu erzählen hatte, war ein Weckruf an alle Betroffenen - Politiker, Lehrer, Eltern und Schüler -, sich mit der "neuen digitalen“ Lernwelt auseinanderzusetzen: Traditionelle Ausbildungsstätten bekommen Konkurrenz aus dem Netz.

Damit wird die Ausbildung "demokratischer“, tritt aber in den globalen Wettbewerb, dem sich unser Bildungssystem stellen muss.

FORMAT: Wenn die Digitalisierung so radikal in die Bildung eingreift, wann sollten wir die Rahmenbedingungen dafür schaffen?

Jörg Dräger: Mein erster Impuls ist, zu sagen: Jetzt! Der zweite Impuls ist: Achtung, es geht nicht nur um Technik, die ist ja relativ schnell organisiert. Digitale Bildung ist mehr als Tablets in den Klassenzimmern. Es geht um die langfristigen Herausforderungen, besonders die Lehrerfortbildung und den Kompetenzausbau. Auch wenn wir jetzt beginnen, wird es Zeit brauchen.

Das wird viel Geld kosten und die Budgets weiter belasten. Was kostet die Revolution?

Dräger: Der Illusion, dass mit der Digitalisierung alles billiger wird, sollten wir nicht erliegen. Es wird aber auch nicht überbordend teuer. WLAN für die Schulen und Unis ist leistbar, und der Bring-your-own-Device-Trend (Anm.: Nutzer verwendet privat gekaufte Hardware) ist ja durchaus sinnvoll. Die Softwarekosten sind im Vergleich zu den Personalkosten auch sehr überschaubar. Es geht also weniger um zusätzliches Geld als um das Umschichten von Budgets und um Reformen - um Mut und Innovation.

Die Amerikaner sind uns da schon einen Schritt voraus. Was liegt näher, als vorhandene Systeme einfach zu übernehmen, wie wir es in anderen Bereichen auch tun?
Dräger : Das ist ein wunder Punkt in der digitalen Bildung. Wenn ein Produkt erst einmal entwickelt ist, kann ich es mit fast null Kosten skalieren ...

Lesen Sie das ganze Interview in der FORMAT Ausgabe 41/2015
Zum Inhaltsverzeichnis und ePaper-Download

Zur Person

Jörg Dräger , 47, beschäftigt sich als Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung vornehmlich mit Bildungsthemen. Der promovierte Physiker war vor 2008 sieben Jahre für den Hamburger Stadtsenat als Parteiloser tätig: im Wissenschafts- und Gesundheitsbereich. Sein Co-Autor Ralph Müller-Eiselt ist mit 33 Jahren ein "Digital Native“ und forscht für die Bertelsmann-Stiftung: digitalisierung-bildung.de.

Geld

Mieten wieder deutlich gestiegen

Air Berlin - Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer in Sorge

Wirtschaft

Air Berlin - Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer in Sorge

Uber droht Lizenzentzug in London

Wirtschaft

Uber droht Lizenzentzug in London