Jetzt Schulden machen

Leben auf Pump ist günstig wie nie zuvor. Das Zinstal könnte aber bald zu Ende sein. FORMAT zeigt, wie Sie sich die niedrigen Kreditraten auch für die Zukunft sichern.

Die Blickrichtung macht den feinen Unterschied aus: Während Sparbuchbesitzer oder Eigentümer von Staatsanleihen unter den historisch mickrigen Zinsen leiden, freut sich, wer Haus, Wohnung oder Auto auf Pump finanzieren muss. Denn noch nie war geborgtes Geld so günstig wie jetzt. „Wir haben derzeit das niedrigste Zinsniveau seit mehr als vierzig Jahren“, bestätigt Thomas Hübschmann, Produktmanager für Finanzierungen bei der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA).

Doch diese für Kreditnehmer paradiesische Phase könnte schon bald zu Ende gehen. Am Horizont des Zinstals zeigen sich bereits die ersten Hügel in Form langsam steigender Anleiherenditen. Experten rechnen deshalb damit, dass im kommenden Jahr die Kreditzinsen wieder steigen. Wer also dringend Geld für Hausbau oder Wohnungskauf benötigt, der sollte sich sputen.

Und wer auf der sicheren Seite sein möchte, der kann sich die derzeit sehr günstigen Kreditzinsen mittels Fixzinsbindung über viele Jahre hinweg einfrieren lassen. Solche Vereinbarungen sind aber nicht gratis. FORMAT recherchierte die Kosten bei neun Bankinstituten. Fazit: Der billigste variable Kredit ist ab einer Verzinsung von 3,60 Prozent zu haben. Für einen Kredit mit fünfjähriger Bindung werden dagegen 4,25 Prozent verrechnet, und bei zehnjähriger Zinsbindung fallen sogar bis zu 5,6 Prozent effektiver Verzinsung an (siehe Tabelle).

Heftiger Anstieg jederzeit möglich. Angesichts solcher Unterschiede scheint eine Fixzinsbindung auf den ersten Blick wenig attraktiv. Doch wenn die Zinsen kräftig anziehen – wie zuletzt zwischen April 1999 und November 2000, als sich die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,6 auf 5,2 Prozent verdoppelten –, ist man mit fixierten Kreditzinsen gegen massive Einschränkungen des Haushaltsbudgets geschützt. Die Sicherheit, über einen bestimmten Zeitraum absehbare Belastungen zu haben, kann sich daher durchaus lohnen. Das umso mehr, als ruhige Zeiten an den Finanzmärkten künftig nicht zu erwarten sind.

Wie sich die Kreditraten genau verändern, hängt von der so genannten Zinsgleitklausel ab. Das ist jener Indikator, nach dem die Anpassung der Sätze an den Zinsmarkt erfolgt. In der Regel ist es ein Mix zwischen den Leitzinsen der EZB und den Renditen für Euro-Anleihen. Steigen die Geldmarktsätze, so steigen auch die Parameter für variable Kredite. Rainer Singer, Analyst bei der Erste Bank: „Ab dem kommenden Jahr wird die EZB allmählich an der Zinsschraube drehen. Wir rechnen damit, dass der Leitsatz bis Ende 2007 pro Halbjahr um 0,5 Prozentpunkte steigen und dann 3,5 Prozent betragen wird.“ Derzeit sind es nur moderate zwei Prozent (siehe Grafik).

Nachfrage nach Krediten steigt rapide. Kein Wunder, dass sichere Finanzierungsformen gerade der Renner am Geldmarkt sind. In der BA-CA rechnet man für 2005 damit, dass sich die Kunden um elf Prozent mehr verschulden als noch im Vorjahr. Bei der Oberbank ein fast ähnliches Bild. Oberbank-Prokurist Erich Stadlberger: „Die Nachfrage ist extrem groß. Während aber das Volumen bei kurzfristigen Konsumkrediten kaum wächst, sind Darlehen mit langen Bindungsdauern derzeit sehr begehrt.“

Ein Problem beim Fixzinskredit ist freilich die mangelnde Flexibilität. Wer sich aus einem bestehenden Vertragsverhältnis lösen möchte – etwa weil er woanders ein günstigeres Kreditangebot erhält oder variable Zinsen sehr günstig geworden sind –, der muss mit hohen Spesen von bis zu fünf Prozent der aushaftenden Kreditsumme rechnen.

Genau kalkulieren muss man auch bei Umschuldungen. Natürlich sollte man versuchen, mit Hinweis auf das günstige Zinsniveau beziehungsweise auf Konkurrenzangebote bessere Konditionen auszuhandeln. Doch ein wirklicher Wechsel ist nur selten attraktiv. Als Faustregel gilt, dass bei Restlaufzeiten um zehn Jahre das Konkurrenzangebot um mindestens 0,5 Prozentpunkte günstiger sein muss, damit sich die Nebenspesen für Tilgung, neuerliche Kreditsteuer, Grundbucheintragung und Bearbeitungsgebühren rechnen.

Die Alternativen – Fremdwährungskredit und Bauspardarlehen. Wer es noch billiger haben möchte, der kann die Aufnahme eines Fremdwährungskredites überlegen. Derzeit wird diese Möglichkeit allerdings kaum genutzt, da die Zinsdifferenz zwischen Euro, Yen und Schweizer Franken geschmolzen ist. Die unterschiedlichen Gefahren – wie etwa Währungs-, Zins- und Tilgungsträgerrisiko – sind angesichts der geringen Vorteile zu groß. Das spüren die Banken bereits. Der Yen, eine äußerst volatile Währung, wird laut BA-CA derzeit von den Kunden überhaupt nicht angerührt. Und auch der Schweizer Franken ist kaum lukrativ (siehe Kasten ganz links).

Eine interessante Variante für Häuslbauer ist der Bausparkredit. Rund 22 Prozent aller Privatkredite, immerhin ein Volumen von 13,6 Milliarden Euro, sind Bausparkredite. Die Kreditzinsen für Bausparer sind die derzeit günstigsten am Markt, und die Obergrenze ist gesetzlich mit sechs Prozent limitiert. Eine Besonderheit liegt jedoch darin, dass für eine Kreditsumme von 100.000 Euro zunächst 142.800 Euro aufgenommen werden müssen. Diese Zwischenfinanzierung ist ein gesetzliches Erfordernis und dauert derzeit 18 Monate. In dieser Zeit wird die über den benötigten Betrag hinausgehende Summe verzinst. Dann beginnt das eigentliche Darlehen. ABV-Bausparkassen-General Thomas Wieser: „Mit effektiven Zinsen von derzeit unter drei Prozent und der Absicherung nach oben sind wir mehr als eine Alternative zu Hypothekardarlehen.“

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