Das Jahrhundert wird heller

Das Jahrhundert wird heller

Der Pessimist ist der einzige Mist, auf dem nichts wächst: Betrachtungen in unruhigen Zeiten zur Lage der Nation und Europas.

Das Jahrhundert wird heller – darf man so etwas sagen? In einer Zeit, in der im Osten Europas gekämpft, in Syrien und im Irak Menschen massakriert und geschändet werden, Jahrtausende alte Kulturgüter zerstört und Frauen und Kinder versklavt werden? In Tagen, an denen im Mittelmeer und vor den Küsten Thailands und Indonesiens Flüchtlinge um ihr Leben ringen? Man muss es sogar aussprechen!

Karl Poppers „Optimismus ist Pflicht“ mag zwar hoch gegriffen sein, doch wahr bleibt: Der Pessimist ist der einzige Mist, auf dem nichts wächst.

Ich wurde 1945 geboren und darf auf ein langes und glückliches Leben zurückblicken. Meine mit mir schwangere Mutter konnte nach einem Bombentreffer auf unser Haus in der Mariahilferstrasse erst nach einigen Tagen aus dem Luftschutzkeller gerettet werden. Der Hungersnot im Wien der Nachkriegszeit wich sie ins oberösterreichische Almtal aus, wo sie als Magd arbeitete. Aus diesem armen Österreich ist heute ein wohlhabendes EU Mitglied geworden, fest verankert in Demokratie, Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit.

Gibt es noch einen tragfähigen Grundkonsens verbindlicher Wertvorstellungen – Freiheit und Toleranz, Individualität und Verantwortung, Menschenrechte und Religionsfreiheit, Marktwirtschaft und Zusammenhalt? Machen wir uns Natur und Technik in verantwortungsbewusster Weise zunutze, oder wollen wir als „Biodekoration“ einer Welt enden, die uns nur noch als passive Passagiere eines total transparenten und fremdbestimmten Lebens kennt?

Die Möglichkeiten dazu sind groß – sie reichen von der Pränatalbestimmung von Genen und Intelligenz bis zu Bildungsfestlegungen und Chancenzuteilungen im künftigen Leben. Die Erfassung unserer Lebensdaten, unserer Gewohnheiten bei Mobilität, Finanzen, Information und Kommunikation ist ebenso möglich wie die Registrierung unserer Gesundheitsdaten.

Politik hat hier eine große Aufgabe. Sie kann Richtung weisen, Auskunft geben, Fragen formulieren, Alternativen aufzeigen. Politiker sind dabei einerseits Projektionsflächen für Hoffnungen und Erwartungen, sie sollen aber auch Empfänger und Sprachrohr für Sorgen und Ängste der Menschen sein. Wir erleben unruhige Zeiten. Doch sind nicht gerade solche Zeiten die spannendsten? Kein Drehbuch zum Nachschauen, kein geschichtlicher Präzedenzfall, keine vorgefertigten Szenarien. Selber leben, selber nach- und vordenken ist gefragt!

Die Österreicher brauchen sich dabei gar nicht zu fürchten. Wir liegen ziemlich genau im Herzen Europas – ein Radius von zwei Flugstunden erfasst viele wichtige europäische Hauptstädte. Acht friedliche Nachbarn an unseren Grenzen hatten wir auch noch nie in der Geschichte.

Lesen Sie den ganzen Gastkommentar in FORMAT Nr. 23/2015
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