Jagd auf Seipel

Ausgerechnet vor seinem 60. Geburtstag steht Museums-Boss Seipel wieder unter Beschuss. Die „Saliera“, sagt er, ist mein Klumpfuß.

Am 8. Juni feiert Wilfried Seipel, Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, in dessen Kuppelsaal 60. Geburtstag. Staatsoperndirektor Ioan Holender wird die Laudatio halten. Viele Freunde werden kommen, vielleicht aber, wie Seipel vermutet, nicht alle. Denn der „General“ steht – ein Jahr nach dem Raub der „Saliera“ – wieder unter Beschuss. Ein Rohbericht des Rechnungshofes unterstellt Seipel Eigenmächtigkeiten und erhebliche Repräsentationslust. Was Eva Glawischnig (Grüne) und Christine Muttonen (SPÖ) dazu veranlasste, einen Untersuchungsausschuss zu fordern: Seipel sei „schlicht untragbar“. Dieser ortet hinter der massiven Kritik ein politisch motiviertes „Jagd“-Verhalten.

Format: Einzelne Politiker und Journalisten stellen Sie als Bonvivant hin, der eigenmächtig agiere und fahrlässig repräsentiere. Was sagen Sie dazu?
Seipel: Ich glaube, dass da Neid dahinter steckt. Dass ich gerne esse und koche, weiß man. Demnächst kommt wieder eine Sendung ins Fernsehen, wo ich Marillenknödel mache. Ich habe damit kein Problem, dass meine Persönlichkeit in eine bestimmte Richtung ausgeprägt ist. Aber: Was ich dann bei meinen Kritikern immer vermisse, ist: Sie holen nie meine anderen Seiten vor den Vorhang. Meine Ausstellungstätigkeit, meine wissenschaftlichen Publikationen oder meine internationalen Museumsverbindungen. Das braucht halt einen Direktor, der sich gerne in diesen Netzen bewegt und sich dort auch wohl fühlt. Ein farbloser Museumsdirektor würde vermutlich nicht als Big Player in die exklusive Runde der „Museums Group“ hineinkommen.
Format: Und das erregt Neid?
Seipel: Und das gefällt halt manchem nicht. Ich habe unlängst einen Brief von Hölderlin an seinen Bruder gelesen, wo er sagt, wahrscheinlich wäre es vernünftiger, zuhause in der Schreibstube zu sitzen, als sich dem dummen Geschwätz in der Öffentlichkeit mit unbedeutenden Leuten auszusetzen.
Format: Vor allem den Grünen sind Sie ein Dorn im Auge. Warum?
Seipel: Das kann ich auch nicht verstehen. Ich bin in meinem tiefsten Herzen wahrscheinlich viel grüner als andere und hätte es zum Beispiel gut gefunden, wenn es damals zu einer Einigung von ÖVP und Grünen gekommen wäre. Das wäre für Österreich ein Neubeginn gewesen, aber es konnten leider beide Seiten nicht über ihren Schatten springen. Meine Tochter wird jetzt nicht mehr Grün wählen.
Format: SPÖ-Politiker waren nie einhellig gegen Sie.
Seipel: Die Kultursprecherin Muttonen war immer gegen mich.
Format: Will man mit der geballten Kritik Sie treffen oder die Regierung?
Seipel: Das kann ich nicht beantworten. Eines steht aber fest: Es trifft mich.
Format: Wie sehr?
Seipel: Ich hätte mir zum 60. Geburtstag etwas anderes gewünscht als eine Debatte über den Rechnungshofbericht. Über die politischen Hintergründe kann ich nichts sagen, aber ich staune schon, mit welcher Vehemenz man den Geschäftsführer des Kunsthistorischen Museums jagt.
Format: Apropos Neid, man wirft Ihnen zum Beispiel ein zu hohes Salär vor.

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